Editorial

Liebe Leser,

wenn unser Gemeindebrief erscheint, der dieses Mal wiederum über vier Monate reicht, ist es Oktober, eine Zeit, in der traditionell nicht nur in der bäuerlichen Gesellschaft Dank gesagt wird für die Ernte des Jahres.

Lassen Sie sich doch einmal durch den Kopf gehen, ob nicht so manch Erlebtes im vergangenen Jahr Grund zur Dankbarkeit ist, auch wenn es vielleicht "nur" der Trost beim Verlust eines lieben Angehörigen war.

Das Ende des Gemeindebriefes reicht über Weihnachten und Neujahr hinaus bis Ende Januar, in die Frostperiode des Winters.
Auch in unserer Gesellschaft ist Frost zu verspüren. Die Energiekosten steigen unaufhörlich weiter, der Sozialabbau schreitet voran, die Gesellschaft spaltet sich immer mehr in Aktive und Ausgegrenzte, vermeintliche Versager. Die Verteilung innerhalb der Gesellschaft wird offensichtlich immer ungerechter, Dritte-Welt-Bewohner rüsten sich zum Sprung nach Europa, radikale Parteien lauern auf ihre Chance.

Das Arbeitsvolumen sei begrenzt, von einem Ende der Arbeit wird berichtet, ein Wochenleistungsmaß von "40 Std. und mehr" für die in Arbeit stehenden wird von Teilen der Industrie und willfähriger Politik als Minimum hochgeredet und ein-geführt. Modelle zur Teilung von vorhandener Arbeit, Sicherung der Zukunft unserer Jugend wie auch Nutzung vorhandener Ressourcen von Erwerbslosen sind dagegen "out". Eine Amerikanisierung der Arbeitswelt ist im Kommen (viele kleine Minijobs zum Überleben). Ein Kulturbruch bereitet sich vor. Die Kirche hält sich sehr diskret zurück, hat eigene Sorgen, mit den geschrumpften Mitteln aus dem Kirchensteueraufkommen über die Runden zu kommen. Sind wir vielleicht nur noch eine Kirche des Mittelstands ohne Ecken und Kanten oder haben wir noch ein Ohr für die Außenseiter in der Gesellschaft? Wo bleibt eine klare Stellungnahme der Amtskirche zu den Problemen unserer Zeit? Wo bleibt ihre Vorstellung von einem Leitbild einer zukunftsfähigen Gesellschaft?

Das vergangene Jahr hat unsere Luthergemeinde als Jubiläumsjahr gefeiert; davon zeugen viele schöne Erlebnisse wie auch Bilder vom Gemeindefest, die festgehaltenen Erinnerungen an das Festkonzert mit Kantorei und Kammerchor unter der Leitung von Herrn Koriath oder die hochinteressante Artikelserie von Herrn Dr. Hainer über 90 Jahre Lutherkirche. Allen Beteiligten und Helfern sei für ihren Beitrag herzlich gedankt!

Unser aktuelles Titelbild hat in den Redaktionssitzungen für längere Diskussionen gesorgt. Im Gegensatz zu den Gemeindebriefen vor ca. 3 Jahren und früher machen wir uns ausführlich Gedanken über die Gestaltung der ersten Seite. Wie war Ihre erste Reaktion? Mehr hierzu auf den Seiten 4/5 und 12/13.

Auch über die personelle Fluktuation bei hauptamtlichen Mitarbeitern ist in dieser Ausgabe zu berichten; im Gemeindebüro wie auch bei der Küsterstelle und beim Zivildienstleistenden gibt es Änderungen. Dies erfahren Sie im Inneren der Ausgabe.

Wie Sie wahrscheinlich wissen, ist der Ertrag des Gemeindefestes für den Einbau eines Aufzugs in der Lutherkirche bestimmt, was insbesondere für gehbehinderte und ältere Gemeindeglieder eine große Hilfe beim Kirchgang oder z.B. beim Konzertbesuch in der Kirche wäre.

Damit richten wir die Bitte an Sie: Spenden Sie, wenn es Ihnen möglich ist. Sie können Ihre Spende per verschlossenem Briefumschlag mit dem Hinweis auf die Zweckbindung "Aufzug" gerne in den Klingelbeutel stecken, an das Gemeindebüro leiten oder auch per Auftrag an das Spendenkonto der Luthergemeinde bei der EKK Ffm., BLZ 500 605 00, Kto.-Nr. 4106415 Verwendungszweck "Aufzug" richten. Auf Wunsch stellen wir gerne eine Spendenbescheinigung aus.

Vielen Dank, nun wünschen wir Ihnen eine interessante Lektüre; eine gute Zeit und wenn Sie Anregungen haben, lassen Sie es uns wissen.

Ihre Redaktionsmitglieder

Wilfried Haamel und Andreas Nagel