kennen Sie in Ihrem Freundeskreis Paare, die schon mal durch "dick und dünn" gegangen sind? Haben Sie schon unsere Gemeindefeste besucht, bei denen "jung und alt, groß und klein" zu finden war? Oder freuen Sie sich als eingefleischter OFC-Fan schon aufs nächste Derby zwischen "Kickers und Eintracht"?
Mit Sprache kann man viel machen. Vor allem kann man damit scheinbar unüberwindliche Gegensätze in einen Satz schweißen und schon klingen sie viel harmonischer zusammen. Wie gerne haben wir uns früher "Dick und Doof" im Fernsehen angeschaut und uns darüer gefreut, zwei völlig unterschiedliche Chaoten im Doppelpack vereint zu sehen. Es ist ein beliebtes Muster von Redensarten, Gegensätze dadurch zu harmonisieren, dass sie zumindest in einem Begriffspaar gemeinsam auftauchen. Wenn man sich aber ungleiche Begriffspaare mal genauer anschaut, zerfällt ihre scheinbare Einheit rasch wieder in Einzelteile. Und das ist spannend. Das fanden wir zumindest im Redaktionskreis.
Das Thema Passion stand zuletzt bei der Planung für diesen Gemeindebrief auf der Tagesordnung. Passion das bedeutet vor allem: Jesu Kreuzigung. Vom Kreuz ist also die Rede. Sofort kam reflexartig der Begriff Ostern ins Spiel. "Kreuz und Auferstehung" ist eben auch so ein Begriffspaar, das als eine theologische Redensart scheinbar Gegensätzliches automatisch miteinander verbindet und wieder harmonisiert. Fast schon ein bisschen verharmlost. Etwas böse formuliert könnte das auch so verstanden werden: erst war Jesus ein bisschen tot, dann lebte er zum Glück wieder. Oder, anders ausgedrückt, Ende gut, alles gut? Natürlich klingt es ein wenig respektlos, wenn man das so formuliert. Und sofort wird man uns widersprechen wollen, dass das so ja gar nicht gemeint ist und dass da eine ganze Menge Theologie im Begriffspaar "Kreuz und Auferstehung" steckt.
Trotzdem. Auch diese drei Worte gehen uns in der Gemeinde zur Passionszeit so schön glatt über die Lippen. Ganz so, als könne man sich auf das Thema "Kreuz" nicht ohne den beruhigenden Blick auf die "Auferstehung" einlassen. Sehr schade eigentlich, denn das erweckt den Eindruck, dass man nicht bereit oder in der Lage ist, beide Ereignisse in ihrer Tiefe auszuloten. Vielleicht sollte unser oft allzu gedankenloses Reden in verharmonisierenden Gegensätzen mal auf den Prüfstand kommen ...
In der aktuellen Ausgabe haben wir wieder viele (hoffentlich) interessante Beiträge für Sie erarbeitet. Besonders hinweisen möchten wir Sie auf den Artikel von Dr. Karl Hainer, mit dem er seine Artikelreihe über die Geschichte der Lutherkirche abschließt. Auf der Grundlage der bisher zusammengetragenen Ereignisse befasst sich sein Artikel mit der Frage nach der Zukunft der evangelischen Gemeinden in Offenbach.
Selbstverständlich darf in dieser Ausgabe nicht der Rückblick auf unseren letzten Gemeindebrief fehlen. Das Titelbild hat erwartungsgemäß für starke Reaktionen gesorgt. Von "sehr gut" bis "antichristlich" war diesmal alles dabei. Bis Redaktionsschluss lagen uns vier Leserbriefe und eine Email vor. Was davon für die Öffentlichkeit bestimmt war, wollen wir Ihnen nicht vorenthalten.
Kirchenmusikalisch wird 2005 ein besonderes Jahr. Hier möchten wir Ihnen ganz besonders unser Passionskonzert am 20.03. ans Herz legen. Die Kantorei wird unter Leitung von Tobias Koriath die Passio Jesu Christi des Bach-Zeitgenossen Johann Friedrich Fasch aufführen.
Wie alle Kirchen lebt auch die Lutherkirche vom Engagement ihrer Ehrenamtlichen. Haben Sie schon mal überlegt, sich ehrenamtlich zu engagieren und wissen nicht, wo Sie andocken können? Dann lassen Sie sich doch mal von unserem Besuchsdienstkreis ansprechen. Oder hätten Sie ein wenig Zeit und Lust, uns beim Austragen des Gemeindebriefs zu helfen? Näheres dazu finden Sie in dieser Ausgabe.
Das neue Jahr ist noch frisch, deshalb wollen wir Ihnen mit der aktuellen Jahreslosung ein gesegnetes Jahr 2005 wünschen:
Jesus Christus spricht:
Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.
(Lukas 22,32)
Ihre Redaktionsmitglieder
Nicole Telschow und Holger Senft