Der letzte Gemeindebrief ist innerhalb der Gemeinde kontrovers diskutiert worden. Genauer gesagt: das Titelbild. Über die rege Diskussion hat sich die Redaktion gefreut, denn wir haben bemerkt, dass bei den Lesern etwas "angekommen" ist. Wir haben sogar drei Leserbriefe und eine Email erhalten, die als "offene Briefe" gekennzeichnet waren und deshalb in dieser Ausgabe auch veröffentlicht werden. Wir sind wahrgenommen und ernst genommen worden, wir haben sowohl Kritik einstecken müssen, als auch Lob genießen dürfen.
Der Titel hat polarisiert. Die Reaktionen reichten von herzhaftem Lachen über Nachdenklichkeit bis zu tiefem Verletztsein. Die Folge waren neben engagierten Diskussionen über das Titelbild intensive Gespräche über Weihnachten. Gottlob! Das war die Hoffnung der Redaktion. Wir haben uns die Gespräche gewünscht, auch das herzhafte Lachen, aber keineswegs wollten wir verletzen. Für die einen haben wir mit dem Titelbild weit über das Ziel hinausgeschossen, für die anderen war es wohltuend, mal nicht den Engel, die Krippe oder schlicht eine Kerze auf der Weihnachtsausgabe zu sehen. Für die Verletzungen haben wir, sofern sie uns mitgeteilt wurden, um Entschuldigung gebeten, mit den anderen haben wir gelacht oder uns sehr angeregt darüber unterhalten, Weihnachten mal "ganz anders" ins Bild zu setzen. Bei den Gesprächen aber waren wir uns letztlich alle einig: Der Menschwerdung Gottes in unserem Leben gerecht zu werden, bleibt eine Herausforderung. Dafür lohnt es sich auch einmal, etwas zu wagen. Wir haben es versucht und werden darin nicht nachlassen!
Die Redaktion wollte, laut Angabe, das traditionelle Bild von Weihnachten in Frage stellen. Also keine Krippe, Sterne u.s. w. auf das Titelbild wie sonst.
So verständigte sich die Redaktion, statt der üblichen Motive einen potthässlichen männlichen Bierbauch mit dem Text Mit Gott schwanger gehen zu veröffentlichen. Ich habe NICHT geschmunzelt und gegrinst wie die Redaktion es vorgeschlagen hat, sondern ich war und bin entsetzt!
Umgangssprachlich bedeutet der Ausdruck -schwanger gehen-, man beschäftigt sich mit einem Gedanken, wägt einen Entscheid für und gegen eine Sache ab und das Ergebnis ist endgültig.
Meiner Meinung nach ist dieser Text deshalb schon falsch, da in meinem Gottverständnis GOTT auf UNS wartet, und nicht wir auf ihn. Wenn man das unsägliche Bild "schwanger sein" benutzt, ist Gott der, der UNS erwartet, nicht wir ihn.
Wir können hoffen und beten, dass Dinge, die uns am Herzen liegen, von Gott gnädig angenommen werden. Wir merken manchmal, dass Gott uns in Menschen und Situationen ganz nahe ist. Aber "Mit Gott schwanger gehen" (und sehen, was das Ergebnis bringt???) - das ist eine unangebrachte Provokation, so wie beispielsweise das fürchterliche Plakat der Firma Benetton mit dem blutigen Hemd!
Die "künstlerische Freiheit" der Redaktion muss sich nämlich auch an den Bedürfnissen der Leser orientieren.
Dr. Sabine Schneider
Warum haben Sie das getan?
Warum treten Sie mutwillig die Gefühle der
Menschen mit Füßen, die Weihnachten als
tiefe Berührung der Liebe Gottes erleben?
Ich fühle mich tief verletzt wobei ich ganz
klar feststelle, dass ich die theologischen
Aussagen nicht antasten will und kann es
geht mir einzig um die absolut unästhetische
Fotografie, gepaart mit dem Wort
Weihnachten.
Sie sind der Meinung, man könne sich, beim Betrachten des Titelblattes, ein breites Grinsen nicht verkneifen, Sie irren, mir kommen da eher die Tränen! Auch lehne ich mich dagegen auf, das Foto eines pathologischen Männerbauchs spaßig zu finden. Meine Achtung Ihnen gegenüber hat gelitten. Über Weihnachten habe ich mir sehr viel Gedanken gemacht (das können Sie als Erfolg verbuchen, denn das war ja sicher Ihre Absicht) ich weiß woran ich glaube (und dazu bedurfte es absolut nicht dieser Scheußlichkeit): für mich ist und bleibt die Menschwerdung Gottes das größte Geschenk für die Menschheit überhaupt.
Ich gehöre der älteren Generation an, vielleicht liegt die unterschiedliche Betrachtungsweise darin begründet, vielleicht reicht aber auch mein geistiger Horizont nicht aus um die Geschmacklosigkeit des Titelblattes zu verstehen ich bin darüber nicht (mehr) aggressiv, nur sehr sehr traurig.
Ute Orlamünder
Liebes Redaktionsteam,
so kurz vor Weihnachten wollte ich mich noch
schnell für das gelungene Titelbild bedanken.
Besser hätte man es kaum ausdrücken
können: nein, es geht nicht um "Heidschibumbeidschi"
oder "Süßer die Glocken nie
klingen", wie die Medien uns glauben
machen wollen. Es geht darum, dass Gott
Mensch wurde. Dieser Weg war unglaublich,
schwierig, unbequem und für viele Menschen
provokant. So wie dieses Titelbild.
Ich habe es im heimeligen und lieblichen
Weihnachtskitsch als erfrischenden
Gedankenanstoß empfunden. Weihnachten =
Menschwerdung Gottes!
Viele Grüße
Silke Marx
Liebe Redaktionskreismitglieder,
Euren aktuellen Gemeindebrief -beziehungsweise das
Titelbild- habe ich durch Holger schon früh zu Gesicht
bekommen. Die "Headline" fand ich toll und die Umsetzung
mit ihrem "huch!"-Effekt hat mir auch gefallen. Dann habe ich
im Vorfeld und später nach der Veröffentlichung die
Reaktionen von innen und außen mitbekommen. Diese
Reaktionen waren mir zum Teil nachvollziehbar, oft war ich
jedoch auch verblüfft und sogar verärgert.
Was ich verstehen kann ist, dass jemand das Titelbild nicht
hübsch findet. Auch, dass er die Kombination
Männerbauch Weihnachten unpassend oder irritierend
findet (zumindest auf den ersten Blick). Daher kann ich auch
verstehen, dass die erste Reaktion heftig und verärgert
ausfällt.
Verblüfft hat mich hingegen, wie heftig auch nach längerem damit-schwanger-gehen die Vorwürfe blieben. Das beginnt bei der Bewertung des Bauchanblicks: Hässlich, abstoßend, widerlich, pathologisch ... Tut mir leid, aber soo schlimm kann ich ihn beim besten Willen nicht finden. Bisschen dick ist er schon, aber wir ärgern uns ja auch, wenn wir immer nur makellose Models vorgesetzt bekommen. Mir tun übrigens Offenbachs Männer leid: Nachdem sie nun wissen, was ihre Frauen "absolut unästhetisch" finden, stürzen sich jetzt sicher viele in eine Diät oder ins nächste Fitnessstudio ...
Ja, und geärgert habe ich mich auch bzw. ich war enttäuscht. Dass Euch manche Leute auch auf den zweiten Blick und nach dem Lesen der Artikel im Innenteil nur das Motiv des "billigen Gags" unterstellen, das kann ich einfach nicht verstehen. Meiner Ansicht nach kann man den Texten sehr gut anmerken, dass da jede Menge inhaltliche Auseinandersetzung stattgefunden hat. An dieser Stelle ein dickes Lob an Uli Knödler: Es ist schon harte Kost, was da auf Seite 4/5 steht, aber ein guter Beweis, dass auch Männer mit Gott, Weihnachten, Glauben etc. "schwanger gehen" können. Auch Holgers Artikel auf Seite 12/13 finde ich sehr schlüssig; ich hatte vermutet, dass er den Empörten klarmacht, dass es hier nicht nur um eine geschmacklose Werbeidee geht ...
Ihr werdet viel Gegenwind bekommen haben, daher möchte ich noch einmal versichern, dass ich und auch viele Leute aus dem Freundes- und Familienkreis den Gemeindebrief interessant, witzig und tiefgründig fanden (auch die zahlreichen anderen Artikel und frühere Ausgaben, aber das sprengt nun wirklich den Rahmen!). Ich bin gespannt auf die nächste Ausgabe!
Liebe Grüße, Eure
Lisa Budig