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"Missionar Heinrich Zahn predigt den Heiden"In den Jahren von 1884 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 waren Teile Neuguineas deutsches Kolonialgebiet, den Rest der Inselgruppe teilten sich Holland und Großbritannien.
Die Geschichte der Neuendettelsauer Mission in Neuguinea begann im Juli 1886 mit der Ankunft Johann Flierls in Finschhafen, dem Verwaltungszentrum der Neuguinea-Compagnie und dem Verbindungshafen für Schiffe nach Nordaustralien. Auch wenn in anderen Gegenden Neuguineas bereits andere Missionen wirksam waren, kam Flierl doch als erster Missionar in dieses Gebiet. Er machte sich auf die Suche nach einem geeigneten Ort für die Errichtung einer Missionsstation und fand ihn bei Simbang, einem Dorf mit 20 Häusern, eineinhalb Stunden südlich der Hafenstadt.
Aus Flierls Briefen an seine Vorgesetzten erfährt man von den Schwierigkeiten, die ihm und seinen Kollegen anfangs bei ihrer Arbeit begegneten, denn die Dorfbevölkerung sah die Errichtung der Missionsstation zunächst durchaus als Verletzung ihrer Eigentumsrechte an und wehrte sich. Fehlende Sprachkenntnisse sowie die Unkenntnis der Rechtsverhältnisse machten die Kontaktaufnahme zudem schwierig. Das tropische Klima und die damit verbundenen Krankheiten waren ein zusätzliches großes Problem.
Als wichtigste Aufgabe erkannte man die Errichtung von sogenannten "Kost-Schulen", die den Schülern neben dem Unterricht die Möglichkeit zur Arbeit und zum Erwerb europäischer Waren boten. Die wirtschaftliche Selbständigkeit der Missionen sollten später Kokosplantagen und ein Wassersägewerk sichern. Diese Schulen wurden recht gut angenommen, berichtet wird von 24 Schülern im Jahr 1890. Trotzdem stellten sich die Erfolge nur langsam ein. Im August 1899 feierten die ersten beiden ehemaligen Missionsschüler in Simbang ihre Taufe. Erst nach der Jahrhundertwende setzte sich die Arbeit der Neuendettelsauer durch. Zunehmend konnte nun Gemeindemission betrieben werden, das heißt Gemeindemitglieder wurden mit dem Missionsdienst in den Nachbargebieten beauftragt.
Am 9. Mai 1902 machte sich auch der junge lutherische Missionar Heinrich Zahn auf den Weg nach Neuguinea. Geboren wurde er 1880 als Sohn eines Pfarrers in Edelsfeld, nach dem Tod des Vaters zog die Familie 1888 nach Bayreuth, in die Heimatstadt seiner Mutter. 1897 trat Heinrich in das Missionsseminar Neuendettelsau ein und absolvierte dort die Ausbildung. Sein Schiff erreichte Ende Juni 1902 Finschhafen. Drei Jahrzehnte, bis zu seiner Rückkehr nach Franken im Sommer 1932, sollte er in Neuguinea wirken und dort mit seiner Frau Emma und den Kindern Alexander und Emilie leben. Im April 1944 starb Heinrich Zahn in Bayreuth.
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"Missionar Zahn mit Muschelchor"In Neuguinea arbeitete Heinrich Zahn eng mit Konrad Vetter zusammen. Ihr Aufgabengebiet war der Ausbau des Gehilfenschulwesens in Jabêm. Beide waren aber auch auf wissenschaftlichem Gebiet tätig. Vetter und in seiner Nachfolge Zahn begannen die einheimische Jabêm-Sprache zu erforschen. Zahns Veröffentlichungen, darunter die Übersetzung des Neuen Testaments in Jabêm (1923), ein Wörterbuch Jabêm-Deutsch (1917) und das Lehrbuch der Jabêmsprache (1940, nachgedruckt 1969), sind Ausweis dieser noch heute wichtigen Forschungen.
Ebenso wie die Aneignung der Sprache den Missionaren erst ermöglichte, christliches Gedankengut zu verbreiten und ihr Anliegen verständlich zu machen, spielen auch Lieder und Kirchenmusik eine große Rolle in der Missionspraxis. Besonders der Entwicklung lutherischer Kirchenmusik und der Liedtexte im Missionsgebiet galt Heinrich Zahns zweites großes Forschungsinteresse. Er begann das Liedgut Neuguineas zu sammeln, in englischer Übersetzung liegt seit 1996 sein umfangreiches Manuskript vor "Mission and Music. Jabêm Traditional Music and the Development of Lutheran Hymnody". Der Aufbau eines Muschelchores, bei dem als Blasinstrumente gestimmte Tritonmuscheln verwendet wurden, sind vielleicht das bemerkenswerteste Resultat seiner praktischen Arbeit.
Claudia Biester