
1927 geboren und getauft bin ich in einem Lehrerhaus, in einem Dorf im hessischen Ried aufgewachsen. In meinem Elternhaus war das Tischgebet üblich. Später in der Kinderschule (damalige Bezeichnung für Kindergarten) vertiefte die Leiterin - eine Diakonisse - durch erzählen biblischer Geschichten, die christliche Erziehung. Ich war als Fünfjähriger in der Lage die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium auswendig vorzutragen. Einen weiteren Einfluss auf diesem Wege meiner Entwicklung hatte zweifellos der nahe Umgang mit unserem Ortspfarrer. Meine Mutter hatte den Organistendienst übernommen. Damit sie die Lieder zum Sonntagsgottesdienst beizeiten zur Verfügung hatte, wurde ich ins Pfarrhaus geschickt, um den "Liederzettel" zu holen. Dadurch bekam ich bleibende Eindrücke in die Arbeits- und Lebensweise und die Gestaltung des Studierzimmers (Bilder und Bücher).
1941 wurde ich konfirmiert. Katechismuslernen wurde dabei bei mir nicht abgefragt. Die Mädchen waren dabei fleißiger und wollten das auch zeigen.
1943 noch 15jährig wurde ich mit meinen Klassenkameraden als Luftwaffenhelfer eingezogen. Damit verließ ich das Elternhaus. Es folgten Arbeitsdienst (RAD) und Januar 1945 Wehrmacht. Christliche Lebenshaltung war dort nicht gefragt. So gab es eine gewisse Distanz zur Kirche. Kriegsende und Kriegsgefangenschaft und unversehrte Heimkehr zwangen geradezu zum Nachdenken über "Gott und die Welt". Jugendarbeit zusammen mit einem befreundeten Pfarrer aus der Nachbarschaft, Vorträge und Versammlungen von Kirchenvertretern, halfen meinen Standpunkt in der evangelischen Kirche zu klären und zu festigen.
1946 wurde ich vom Kreisschulrat gebeten als Schulhelfer - unter seiner Aufsicht und Fortbildung - zu unterrichten. Das geschah in allen Fächern in den Klassen 1; 3 und 8. Nur Religionsunterricht war mir von der Kirchenverwaltung untersagt. Begründung: fehlende Ausbildung. Als sich meine Aufnahme in das Pädagogische Institut immer wieder verschob, beschloss ich an der Universität Mainz zu studieren. Fächer: Geschichte und Religion. Auf dringenden Hinweis des amtierenden Dekans Prof. Jannasch, immatrikulierte ich an der Theologischen Fakultät, mit dem Ziel Pfarrer zu werden. In meiner Studienzeit in Mainz, Basel und Marburg, prägten besonders die kritischen Professoren Käsemann, Bultmann und Karl Barth mein Studium. Sie gaben mir Selbstvertrauen den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Es war ja nicht einfach, die biblischen Sprachen Hebräisch, Griechisch und das mittelalterliche Latein nachzuholen. Nach meiner abgeschlossenen Ausbildung wurde ich Lehrvikar in Limburg und Pfarrvikar im Raume Mainz.
1955 wurde ich in Nieder Olm als Pfarrer ordiniert. Die praktische Erfahrung, mit lebendigen Gemeinden in der Diaspora prägte diese Zeit.
1979 wechselte ich Wohnsitz und Tätigkeit. In der Lutherkirche Offenbach wurde ich als "Probst für Nord Starkenburg" eingeführt.
Seit 1990 lebe ich als Pfarrer i. R. (in Reichweite) noch immer in Offenbach. Mein Weg in der evangelischen Kirche wurde hilfreich und zuverlässig von meiner Frau - Maria Walter - begleitet.
Reinhard Walter