Gespräche mit Jugendlichen aus der Gemeinde

Ehemalige und aktuelle Konfirmandinnen und Konfirmanden äußern sich im Gespräch mit Holger Senft und Ulrich Knödler zu ihrem Verhältnis zur Gemeinde, zur Kirche und zu ihrem Glauben.

Hier einige Ausschnitte:

Gemeindebrief:
Kristoffer, Du bist vor drei Jahren konfirmiert worden und immer noch in der Gemeinde zu sehen. – Wie kommt das?

Foto von Kristoffer.

Kristoffer (18 Jahre):
Also, meine Konfirmandenzeit fand ich sehr schön, hat mir immer sehr viel Spaß gemacht hier her zu kommen in den Konfirmandenunterricht oder in den Gottesdienst. (...) Ich finde auch, dass hier sehr nette Leute in der Gemeinde sind. (...) Das liegt sicher auch an meinem Engagement für diese Gemeinde.

Gemeindebrief:
Du meinst deine Mitarbeit im Redaktionskreis und deine Mitarbeit bei Konfirmandenfreizeiten? Kristoffer: Ja, da werde ich gebraucht. Die Leute sind an einem interessiert, man kann mit denen gut reden.

Gemeindebrief:
Ist das für dich etwas Besonderes, wenn Menschen an dir Interesse haben, dich ernst nehmen?

Kristoffer:
Ja, das ist schon etwas Besonderes, weil man hier wirklich mit jedem in Kontakt treten kann, mit jedem reden kann. Das ist sonst nicht so.

Gemeindebrief:
In der Schule?

Kristoffer:
Nein, in der Schule ist das nicht so. (...) Man sieht sich halt in den Kursen, wenn man Unterricht hat. Außerhalb der Schule macht man da nicht viel zusammen.

Gemeindebrief:
Und hier in der Gemeinde ist das anders?

Kristoffer:
Ja, die Erfahrung habe ich gemacht. Es ist halt schön, dass man mit jedem hier reden kann.

Gemeindebrief:
Sich angenommen fühlen, - hat das damit zu tun?

Kristoffer:
Ja, schon.

Gemeindebrief:
Wir haben auf Freizeiten auch zusammen versucht unseren Glauben zu leben. "Seelenmassage" habe ich dieses Angebot genannt. Da wird ein Psalm zusammen gelesen und kurz darüber gesprochen, ein Lied gesungen und gebetet. Wie war das für dich?

Kristoffer:
Na ja, so toll fand ich das nicht, wenn ich ehrlich bin (lacht).

Gemeindebrief:
Wie würdest du so ein Angebot machen?

Kristoffer:
Ich würde sagen, man könnte Diskussionsrunden machen über christliche Werte und Inhalte in Verbindung mit aktuellen Themen, zum Beispiel: Wie steht die Kirche zur Gen-Technik?

Gemeindebrief:
Wie weit darf der Mensch eingreifen in das Handwerk Gottes? Das wäre so etwas.

Kristoffer:
Ja, genau!
(...)

Gemeindebrief:
Lauren, warum bist du noch hier in der Gemeinde?

Lauren (15 Jahre):
Wegen der Freunde, die ich hier gefunden habe, Sandra, Carina ... wir machen halt gerne was zusammen und deswegen ... und wegen des netten Pfarrers (lacht). Sie stehen uns ja immer gerne zur Seite und helfen uns zum Beispiel mit dem Jugendraum.

Foto von Lauren und Sandra.

Gemeindebrief:
Spielt christlicher Glaube dabei eine Rolle?

Lauren:
Ja. Das ist aber schwer zu erklären.

Gemeindebrief:
Hast du eine Idee, wie wir als Gemeinde christliche Inhalte Jugendlichen so präsentieren können, dass sie sie interessant finden und annehmen können?

Lauren:
Zum Beispiel der Jugendkirchentag. In Kassel war ich da mal. So etwas ist gut.

Gemeindebrief:
Welche Rolle spielt für dich der Gottesdienst?

Lauren:
Ich gehe schon mal gerne in den Gottesdienst. Die Dekanatsjugendgottesdienste finde ich ganz schön.

Gemeindebrief:
Was ist es, was dich zum Gottesdienst führt?

Lauren:
Hier kenne ich einfach Leute, wenn ich da hingehe. (...) Da fühlt man sich nicht so allein gelassen.

Gemeindebrief:
Auch an dich die Frage: Ist das zum Beispiel in der Schule nicht auch so?

Lauren:
Anders. Hier in der Gemeinde sind wir mit unserer Konfirmation "vollwertige" Mitglieder. Hier können wir, wenn wir wollen, bis in den Vorstand hinein mitreden. In der Schule ist das nicht ganz so. Man wird hier auch von den älteren Leuten etwas ernster genommen.

Gemeindebrief:
Glaubst du, dass unsere Jugendgruppe hier in der Gemeinde Zukunft hat?

Lauren:
Ganz bestimmt. Ein großer Teil kennt sich schon ziemlich lange und wir werden ja in diesem Sommer wieder zusammen wegfahren.

Gemeindebrief:
Sandra, auch lange nach deiner Konfirmation bist du immer noch in der Gemeinde aktiv. Woher kommt das?

Sandra (15 Jahre):
Weil man hier seine Leute treffen kann. Und die Sommerfreizeit ist wichtig.

Gemeindebrief:
Spielen christliche Inhalte da auch eine Rolle?

Sandra:
Ich glaube auf meine Art an Gott und deswegen finde ich es auch gut, wenn man mal in die Kirche geht.

Gemeindebrief:
Wie ging es dir mit der "Seelenmassage" während der Sommerfreizeit?

Sandra:
Das war ja eher so eine ruhige Atmosphäre (...) Vielleicht sollte man eher über die Bedeutung dieser Texte diskutieren, für mich ist das immer so schwer alles zu begreifen. (...) Dass man auch richtig versteht, was da drin steht.

Gemeindebrief:
"Seelenmassage" arbeitet eher assoziativ mit den Texten. Religion generell hat sehr mit dem Gefühl zu tun und nicht nur mit dem Intellekt.

Sandra:
Mich reizt aber dennoch, was der Text denn wirklich sagen will. Ich will genau wissen, warum steht da was genau so (...)

Gemeindebrief:
Was macht ihr eigentlich so in der Jugendgruppe?

Foto von Alexander. Foto von Carina

Alexander (16 Jahre):
Vor unserer Sommerfreizeit am Edersee haben wir eigentlich immer über die Freizeit gesprochen und wir haben da doch eine ganz gute Lösung gefunden. Erst wollten wir segeln, aber dann haben wir uns Stück für Stück an etwas Realistisches angenähert: Camping am Edersee.

Gemeindebrief:
Und davor habt ihr den Jugendkeller gestrichen und neu gestaltet. Es scheint so, als hätten sich bei euch die Richtigen getroffen.

Carina (16 Jahre):
Das muss ja wohl so sein, sonst würden wir uns ja nicht bis heute treffen.

Alexander:
Das ist wirklich interessant. Wenn wir einen Termin haben, dann freut man sich schon lange vorher darauf aber durch den ganzen Stress und dadurch, dass viele von uns auf unterschiedliche Schulen gehen, hat man die ganze Zeit nichts miteinander zu tun und ist voll in seinem eigenen Stress verhaftet und erst wenn man sich dann wieder sieht, taucht man auf und kann auch mal was anderes reden und denken. Das verbindet irgendwie.

Gemeindebrief:
Ihr wart beide schon zweimal als Betreuer auf der Konfirmandenfreizeit dabei und einmal natürlich als Konfis. Die Themen waren "Abendmahl" und "Taufe". Welche Rolle spielen diese Inhalte für euch?

Alexander:
Also erst mal hat unsere eigene Konfi-Freizeit sehr viel Spaß gemacht und da haben wir uns gesagt, dass wir unbedingt noch mal dabei sein wollen und da war dann eben die Möglichkeit da, dass wir als Betreuer mitfahren und dann waren da fast mehr ehemalige Konfis als neue dabei, das war lustig.

Carina:
Das war auch so, dass wir gesehen haben, dass ja auch bei unserer Freizeit Betreuer dabei waren und dass das gut war, da haben wir dann eben gesagt, ohne Betreuer wird das nicht so eine gute Freizeit und deswegen sind war dann mitgefahren. Einfach um den neuen Konfis eine schöne Freizeit mitzugestalten.

Gemeindebrief:
Wenn ihr den Satz ergänzen müsstet: Kirche bedeutet für mich ... was würdet ihr antworten?

Alexander:
Kirche ist für mich ein Ort, wo ich Menschen treffen kann, die ähnlich denken und glauben wie ich.

Gemeindebrief:
Christen eben.

Alexander:
Genau.

Gemeindebrief:
Jeremy, warum willst du konfirmiert werden?

Jeremy (14 Jahre):
Weil ich weiß, wie wichtig das für meine Oma ist. Ich mach das ihr zu liebe.

Gemeindebrief:
Meike, wie ist das bei dir?

Meike (14 Jahre):
Weil ich mehr über meine Religion wissen will.

Gemeindebrief:
Sandy?

Sandy (14 Jahre):
Meine Schwester wurde konfirmiert, meine Mutter wurde konfirmiert, alle in meiner Familie wurden konfirmiert, da will ich nicht so außen vor bleiben.

Tobias (13 Jahre):
Bei mir ist das auch so, nur meine Schwester fehlt dann noch. Ich mach das für meine Familie. Das ist Ehre.

Gemeindebrief:
Ehre?

Tobias:
Ja, das gehört zur Familienehre.

Gemeindebrief:
Henry, wieso willst du denn konfirmiert werden?

Henry (14 Jahre):
Kein Kommentar.

Gemeindebrief:
Du redest wie ein Politiker.

Henry: (lacht)

Gemeindebrief:
Wenn ihr in eurer Klasse sagt, dass ihr in die Kirche und in den Konfirmandenunterricht geht, sagen die anderen da was?

Jeremy:
Die meisten wissen das, von unserer Klasse gehen drei Stück, einer nach Tempelsee. Das ist nicht so schlimm, wenn man in die Kirche geht. Manche gehen hin, weil sie an Jesus glauben und andere, weil sie keine Fehlstunden haben wollen oder so ...

Gemeindebrief:
Was wünscht ihr euch denn von eurer Gemeinde?

Alexander:
Ein Billard-Tisch wäre nicht schlecht und einen Tischkicker ...

Tobias, Jeremy, Sandy, Carina:
Ja, genau, das wäre nicht schlecht!

Gemeindebrief:
Danke für das Gespräch!