Die Konfirmation - Ursprünge und Bedeutung

Jährlich werden in der Evangelischen Kirche in der Zeit zwischen Palmsonntag und Pfingsten zahlreiche Jugendliche in einem festlichen Gottesdienst konfirmiert. Sie ist laut Statistik eine der gefragtesten Amtshandlungen der Evangelischen Kirche. Der überwiegende Teil aller getauften Jugendlichen lässt sich konfirmieren. Doch was hat es mit der Konfirmation auf sich? Woher kommt sie?

Die Ursprünge

Als Vater der Konfirmation gilt der elsässische Reformator Martin Bucer (1491 - 1551). Nach der Einführung des lutherischen Bekenntnisses in Hessen durch Landgraf Philip von Hessen (Philip der Großmütige) breiteten sich auch radikale reformatorische Gruppen die so genanten "Wiedertäufer", die den Geist der Reformation gefährdet sahen, aus. So lehnten sie u. a. die Kindstaufe ab, da die Taufe ein Bekenntnisakt sei und dieser von Kleinkindern noch nicht verlangt werden könne. Sie wurden sowohl von den katholischen als auch von den evangelischen Landesherren als Ketzer bekämpft. Im Gegensatz zu anderen Landesherren wollte Philip der Großmütige die Wiedertäufer nicht hart bestrafen sondern mit Hilfe von Bucer wieder in den Schoss der Landeskirche zurück holen. So entstand 1538 unter Bucers Federführung die so genannte "Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung", in der u.a das Laienamt des Kirchenältesten und die Konfirmation mit vorausgehendem Unterricht eingeführt wurden.

Dort heißt es: "Es sollen auch die Ältesten und Prediger dafür sorgen, dass die Kinder, die durch die Katechismen im Verständnis des Christentums so weit gebracht sind, dass man sie zum Tisch des Herrn zulassen kann, an einem Hauptfesttag wie Ostern, Pfingsten oder Weihnachten vor der Gemeinde dem Pfarrer von ihren Eltern und Paten vorgestellt werden. Da soll der Pfarrer diese Kinder über die Hauptpunkte des christlichen Glaubens befragen. Und nachdem die Kinder darauf geantwortet und sich auch öffentlich Christus dem Herrn und seiner Kirche ergeben haben, soll der Pfarrer die Gemeinde auffordern, den Herrn für diese Kinder um Beständigkeit und Mehrung des heiligen Geistes zu bitten. Danach soll der Pfarrer diesen Kindern die Hände auflegen und sie im Namen des Herren konfirmieren und in die christliche Gemeinschaft aufnehmen. Darauf soll er sie zum Tisch des Herrn zu gehen auffordern und ermahnen, sich treu im Gehorsam des Evangeliums zu halten."

Wegen der Nähe zum römisch-katholischen Sakrament der Firmung wurde die Konfirmation von vielen Landeskirchen zunächst abgelehnt. Richtig durchgesetzt hat sich die Konfirmation erst im Pietismus des 18. Jahrhunderts, der die persönliche Frömmigkeit betonte und erst seit dem 19. Jahrhundert ist sie in ganz Deutschland üblich.

Die Konfirmation war in früheren Zeiten ein größerer biografischer Einschnitt als heute. Im Laufe der Zeit entwickelte sie sich auch zu einem bürgerlichen Ritual, welches als Schritt zum Erwachsen werden galt. Viele Jugendliche verließen nach der Konfirmation die Schule und traten eine Lehre an. Als äußeres Zeichen haben die Jungen und Mädchen an ihrer Konfirmation zum ersten Mal die Kleidung der Erwachsenen getragen.

Jugendliche werden mit der Konfirmation vollwertige Gemeindeglieder

Mit der Konfirmation werden die Jugendlichen als vollwertige Mitglieder der Gemeinde aufgenommen. Sie erhalten das Recht Patin/ Pate zu werden. Sie haben das Recht am Abendmahl teilzunehmen. Mittlerweile setzt sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass alle, die am Gottesdienst in der Gemeinde teilnehmen, durch Jesus Christus zum Abendmahl eingeladen sind. So können in vielen Gemeinden schon Kinder und Jugendliche vor der Konfirmation am Abendmahl teilnehmen.

Ebenso erhalten die Jugendlichen mit der Konfirmation das aktive Wahlrecht, das heißt sie können, wenn sie am Wahltag das 14. Lebensjahr vollendet haben, die Mitglieder des Kirchenvorstandes der Gemeinde wählen. Das passive Wahlrecht das heißt, dass sie selber in den Kirchenvorstand gewählt werden können erhalten sie allerdings erst, wenn sie am Wahltag das 18. Lebensjahr vollendet haben.

Der Konfirmandenunterricht

Der Konfirmandenunterricht hat sich heute von der klassischen "kirchlichen Unterweisung" mit auswendig lernen und Prüfung gewandelt zur Konfirmandenarbeit mit Methoden aus der Jugendarbeit. In der "Ordnung des Kirchlichen Lebens der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Lebensordnung", heißt es hierzu: "Der Konfirmandenunterricht soll den Jugendlichen helfen, die Bedeutung der Taufe zu erkennen und als Christen ihren eigenen Platz in der Gemeinde und in der Welt zu finden. Er vermittelt Grundwissen und leitet dazu an, Fragen des Glaubens zu erörtern und Folgerungen für das eigene Leben zu ziehen. Er bedient sich dabei geeigneter und jugendgemäßer Mittel.

Ein selbstgestalteter Vorstellungsgottesdienst und Konfirmandenfreizeiten gehören ebenso dazu wie, größere und kleine Events, wie zum Beispiel der Offenbacher Dekanatsjugendgottesdienst, der Jugendkirchentag oder Konfi-Sportturniere sowie die Mitarbeit von ehemaligen Konfirmanden bzw. Ehrenamtlichen beim Konfirmandenunterricht.

Doch mit der Konfirmation ist nicht Schluss: "Konfirmandenarbeit in der Gemeinde findet ihre Fortsetzung in einer auf Freuden, Wünsche, Sorgen und Ängste der Jugend bezogenen und am Wort Gottes orientierten Jugendarbeit. Gemeinde und Kirchenvorstand unterstützen und begleiten diese Arbeit", so die Lebensordnung der EKHN. Um so wichtiger ist die Vernetzung zwischen Gemeinde, Evangelischer Jugendarbeit und Konfirmandenunterricht. Schließlich sollen die Jugendlichen Heimat in der Evangelischen Kirche finden und nicht "aus der Kirche heraus konfirmiert" werden.

Konfirmation 2007 in der Luthergemeinde

Am Sonntag, dem 3.6.2007 um 10.00 Uhr stellen sich die Konfirmandinnen und Konfirmanden der Luthergemeinde in einen von ihnen gestalteten Vorstellungsgottesdienst der Gemeinde vor. Am Samstag, den 16.6.2007 um 18.00 Uhr findet ein Abendmahlsgottesdienst zur Konfirmation statt. Und am Sonntag, den 17.6.2007 findet um 10.00 Uhr der festliche Konfirmationsgottesdienst statt.

Stefan Buch