Angedacht

Wer unter diesen dreien, meinst du, ist der Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen ist? (Lukas, 10, 36)

Porträt von Ulrich Knödler
Ulrich Knödler

Das ist die Gegenfrage Jesu auf zwei spitzfindige Fragen eines Schriftgelehrten. Der Bibelkenner fragt Jesus: Was muss ich tun, um das ewige Leben zu erlangen? Jesus antwortet zunächst: Du sollst den Herrn deinen Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt und deinen Nächsten wie dich selbst. Darauf folgt die Frage: Gut, aber wer ist mein Nächster?

Als Antwort erzählt Jesus das berühmte Gleichnis vom barmherzigen Samariter: Ein Mann fällt unter die Räuber, wird bestohlen und bleibt halb tot liegen. Da kommt ein Priester des Weges, sieht ihn und geht vorüber. Danach ein Tempeldiener, sieht ihn und geht vorüber. Schließlich kommt ein Samariter, ein ungeliebter Ausländer. Er hilft dem Mann, verbindet seine Wunden, bringt ihn in ein Gasthaus, gibt dem Wirt Geld, um ihn zu versorgen.

Darauf folgt die Gegenfrage: Wer unter diesen dreien, meinst du, ist der Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen ist?

Die Antwort liegt auf der Hand. – Der, der geholfen hat, der Samariter. Nächstenliebe ist die Bewährungsprobe unseres Glaubens. Diese Bewährungsprobe lässt sich nicht ausgliedern, delegieren auf den Sozialstaat oder die Diakonie. Nächstenliebe bleibt eine Christenpflicht in der Begegnung mit unseren Mitmenschen, heute aber auch in der Wahrnehmung, Wertschätzung und Unterstützung unserer Diakonie und ihrem breit gefächerten, professionellen Angebot.

Es grüßt sie herzlich, Ihr Gemeindepfarrer

Ulrich Knödler
(Pfarrer in der Evangelischen Luthergemeinde Offenbach)