Aus ihrem christlich diakonischen Auftrag engagieren sich evangelische Kirchengemeinden in der ambulanten Pflege und Betreuung kranker und alter Menschen seit alters her. Mit dem Beginn einer organisierten Form waren es zunächst vor allem Diakonissen, die als Gemeindeschwestern tätig waren. Nach und nach schlossen sich ab 1970 die Gemeindeschwestern bzw. Gemeindepflegestationen zu Diakoniestationen zusammen, um den sich ändernden gesellschaftlichen und sozialpolitischen Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen.
So auch in Offenbach: Im Jahre 1981 wurde die "Evangelische Gemeindekrankenpflege Offenbach am Main" gegründet. Mit dem Zusammenschluss der in den evangelischen Kirchengemeinde in Offenbach tätigen Gemeindekrankenschwestern wurde u.a. erzielt, dass die Schwestern geregelte Arbeitszeiten erhielten sich gegenseitig vertreten, fachlich austauschen und Fortbildungen wahrnehmen konnten. Die Gemeindekrankenschwestern blieben aber weiterhin einer Kirchengemeinde zugeordnet. 1986 wurde dann mit finanzieller Unterstützung der Stadt Offenbach der "Evangelische Pflege- und Betreuungsdienst" gegründet. Die Mitarbeiterinnen waren Pflegehilfskräfte, die ältere Menschen in ihrer häuslichen Umgebung betreuten und einfache pflegerische Handlungen übernahmen. 1996 wurden dann beide Dienste in der Diakoniestation vereinigt.
Ziel der Diakoniestation ist es, dass pflegebedürftige Menschen jeden Alters und jeder Konfession so lange wie möglich in ihrem häuslichen Umfeld bleiben können. Nach christlichem Menschenbild steht dabei die pflegebedürftige Person im Mittelpunkt.
In ihrem Pflegeleitbild heißt es: "Im Bewusstsein des diakonischen Auftrages engagieren wir uns für unsere Klienten und Angehörige. Pflege bedeutet für uns Hilfe zur Selbsthilfe. Förderung der Eigenständigkeit, Aktivierung, Anleitung und Beratung sind wesentliche Bestandteile unserer Arbeit. Grenzen zu achten sowie verbliebene Fähigkeiten und Ressourcen in die Pflege einzubeziehen, gehört zu unserem Selbstverständnis. Wir planen und koordinieren die Pflege zusammen mit den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen auf der Grundlage des Pflegeprozesses."
Großer Wert wird auch auf die Beziehung zwischen zu Pflegendem und Pflegekraft gelegt, so dass in der Regel
die gleiche Bezugsperson ins Haus kommt.
Neben der klassischen Pflege, bietet die Diakoniestation auch Beratung rund um die Pflege und pflegeergänzende Leistungen, wie z.B. Unterstützung im Haushalt, Einkäufe oder Vorlesen an.
"Es gibt Mitarbeiterinnen, die singen oder beten auch mit den Leuten, aber das kommt dann auf die einzelnen Mitarbeiter an", so die stellvertretende Pflegedienstleiterin der Diakoniestation Silke Artelt.
Frau Artelt ergänzend: "Wir versuchen den Blick auf die gesamte Pflege zu richten und nicht nur auf unseren Part, sei es jetzt die Körperpflege oder Frühstück machen oder so. Sondern wir gucken auf das gesamte Leben - wir sind ja nur ein kleiner Teil und vermitteln dann auch den Leuten, die Dinge die wir nicht anbieten, wie ein Essen auf Rädern, oder dass wir uns um Hilfsmittel kümmern. Wir pflegen Kontakte zu den Ärzten, suchen Kontakt zum Krankenhaus, wenn jemand angemeldet ist oder unsere Leute im Krankenhaus sind. Und auch eben ganz viel zu den Angehörigen, das darf man nicht vergessen, weil wir können nicht rund um die Uhr da sein. Die Hauptpflege übernehmen Angehörige, also arbeiten wir auch ganz eng mit ihnen zusammen. Wir versuchen auch beratend zur Seite zu stehen, sie anzuleiten und sie zu unterstützen"
So bietet die Diakoniestation Offenbach einmal im Jahr in Kooperation mit der Barmer Ersatzkasse einen Pflegekurs für pflegende Angehörige und Interessierte an. Der nächste findet vom 24.8.2007 – 5.10.2007 jeweils freitags (außer am 7.9.2007) von 15.00 – 17.00 Uhr in den Räumen der Diakoniestation statt. Die Teilnahme ist kostenlos. Weitere Infos und Anmeldung telefonisch bei der Diakoniestation.
Zur Zeit sind bei der Diakoniestation 18 Mitarbeiter, teils in Teilzeit, beschäftigt. Davon sind 14 examinierte Krankenschwestern und Altenpflegerinnen, 3 Pflegehilfskräfte und 1 Verwaltungsangestellte. Die Diakoniestation betreut zur Zeit zwischen 50 und 70 aktive Klienten, die täglich bzw. zum Teil mehrmals täglich oder nur mehrmals die Woche versorgt werden müssen. Sowie über 100 Beratungsklienten, das sind Klienten die Pflegegeld beziehen und die alle halbe bzw. viertel Jahr eine Beratung durch die Diakoniestation in Anspruch nehmen.
Die Pflegedienstleiterin der Diakoniestation Frau Divna Kraus geht zwar regelmäßig in die Gemeinden und stellt dort die Arbeit der Diakoniestation vor, aber der relativ enge Bezug, den die Gemeindekrankenschwester zu den jeweiligen Gemeinde hatten ist heute nicht mehr vorhanden. Die stellvertretende Pflegedienstleiterin der Diakoniestation Silke Artelt hierzu: "Wenn der Bedarf da ist schalten wir auch einen Pfarrer ein, wenn die Leute das wünschen. Aber der direkte Bezug wie das früher war das ist einfach organisatorisch auch durch die Pflegeversicherung nicht mehr möglich. Früher wurde ja Gemeindebezogen gearbeitet, aber im Zuge der Pflegeversicherung müssen wir auch eine wirtschaftliche Tourenplanung machen und müssen gucken welche Schwester hat noch Kapazitäten und das ist dann halt nicht mehr unbedingt an die Gemeinden gebunden."
Die Auswirkungen der Pflegeversicherung auf die Arbeit der Diakoniestation sind nach Aussage von Frau Artelt, "dass wir gezwungen sind wirtschaftlich zu arbeiten wir müssen ganz klar nach Leistungskomplexen mit den Leuten abrechnen. Wir haben Verträge mit den Leuten, wo ganz klar ist die und die Leistung nehmen sie von uns in Anspruch und ja eben auch die Kosten. Früher wurde die Pflege über Kommunen und Kirche und so finanziert und jetzt nur noch über die Pflegeversicherung. Alles was die Pflegeversicherung nicht übernimmt, weil das ist ja gedeckelt, für jede Pflegestufe gibt es einen Höchstbetrag, das müssen die Leute eben privat bezahlen."
"Das sind auch so Sachen mit denen wir im Alltag zu kämpfen haben, das wir dringenst diese Hilfsmittel erwarten und es gibt ja so einen Expertenstandard, der eigentlich auch vorschreibt, dass solche Hilfsmittel innerhalb von 24 Stunden da sein müssen, aber das ist in der Realität nicht umgesetzt", so die stellvertretende Leiterin der Diakoniestation zum Thema Bürokratie in der Pflege- und Krankenversicherung.
Auf die Frage welche Änderungen sie sich bei einer Reform der Pflegeversicherung wünschen würde antwortet Frau Artelt: "Das würde jetzt zu sehr ins Detail gehen, aber was natürlich ein Manko ist, dass die Pflegeversicherung rein auf die körperlichen Gebrechen auf Handlungen ausgerichtet ist. Und dass der kommunikative Bereich außen vorgelassen ist. Das muss während der Pflege erledigt werden. Wir haben ja viele Demente, die körperlich sehr fit sind, die ihnen über hohe Badenwannenränder steigen, aber permanent nicht wissen wo sie sind, was sie mit dem Essen machen sollen, was sie mit dem Waschlappen machen sollen, die einfach ganz viel Anleitung und Zuwendung brauchen, die dann halt häufig hinten runter fallen. Da wurde zwar schon mal was überarbeitet aber leider nicht ausreichend. Es wird zwar jetzt ergänzend auch der Beratungsbedarf anerkannt, aber eben nur als Ergänzung. (...) Viele Angehörige gerade von Dementen trauen sich kaum noch aus dem Haus, um denjenigen nicht allein zu lassen.“
Der 1983 gegründete „Verein zur Förderung der Evangelischen Gemeindekrankenpflege e.V. Offenbach am Main, unterstützt die Diakoniestation finanziell durch Spenden, Mitgliederbeiträgen und gerichtlich verhängten Bußgeldern. Diese Förderung kommt der Unterstützung von Fortbildungsmaßnahmen und Mitfinanzierung von Leistungen, die nicht über die Pflegeversicherung abgerechnet werden können, zugute.
Diakoniestation Offenbach
Haus der Evangelischen Kirche
Ludo-Mayer-Straße 1,63065 Offenbach
Telefon: 069/98542540, Fax: 069/82378752, E-Mail:
ev.diakoniestation.offenbach@ekhn-kv.de
www.diakoniestation-offenbach.de
Stefan Buch