Etwas unbemerkt durch den Kindergartenumbau, haben sich in unserer Lutherkirche seit dem letzten Sommer noch mehr Kleinkinder eingenistet. Mit circa 40 - 50 Kindern altersmäßig aufgeteilt in 6 – 8 Gruppen singe und tanze ich montags und dienstags am Vor- und am Nachmittag. Auch Fingerspiele und der Umgang mit einfachen (Orff-) Instrumenten gehören dazu.
Das Angebot reicht für Kinder ab dem 3. Lebensmonat mit ihren Eltern bis zu Kindern im Altern von etwa 5 Jahren, die dann bereits ohne ihre Eltern kommen.
Nun werde ich häufig ganz irritiert gefragt, was man denn Säuglingen schon musikalisch beibringen will und ob denn die Förderung nun immer früher beginnen müsse.
In den Eltern-Kind-Kursen richtet sich mein Angebot auch an die Eltern. Es wächst jetzt eine Generation von Eltern heran, mit denen im Kindesalter häufig schon wenig gesungen wurde. Oft hat der wenig motivierende Musikunterricht in der Schule sein übriges getan: Ich bekomme häufig zu hören: "Ich durfte im Musikunterricht nicht mitsingen, da ich als Brummer abgestempelt wurde!"
Nach neuesten Erkenntnissen handelt es sich bei diesen "Brummern" jedoch häufig nicht um unmusikalische Menschen (die es in meinen Augen sowieso nur sehr selten gibt), sondern lediglich um ungeübte Menschen. Niemand würde von einem Menschen verlangen, einen Marathon zu laufen, wenn vorher mit ihm nicht ordentlich, das bedeutet langsam aufbauend, trainiert wurde.
Als meine wichtigste Aufgabe sehe ich es, den Eltern zu zeigen, wie schön es ist, in einer entspannten Atmosphäre die wohltuende Wirkung gemeinsamen Musizierens zu spüren. Eltern, die dieses erlebt haben, werden es mit Freude an ihre Kinder weitergeben und bei unvermeidlichen Krisen eines eventuellen späteren Instrumentenlernens ihre Kinder aufmunternd unterstützen oder vielleicht sogar selber ein Instrument (wieder-)erlernen.
Jede Stunde folgt einem festen Ablauf, den die Kinder wieder erkennen und gegebenenfalls auch einfordern, falls ich mal was vergesse.
Insbesondere für Säuglinge ist es wichtig, dass sie vorsichtig und behutsam in die Musikstunde eingeführt werden, zu viel Hektik am Anfang würde auf sie beängstigend wirken. Am Anfang verwende ich ein Triangel. Mit leisem Anschlagen und einem Namenslied für jedes Kind beginnen wir die Stunde.
Kniereiter, Fingerspiele und Tänze auf Mamas (Papas) Arm folgen.
Bei einfachen Liedern begleiten wir uns selbst mit den Bassxylophon-Klangstäben. Besonders wichtig für dieses Alter sind Lieder, bei denen sie berührt, gekitzelt oder gestreichelt werden. Erfahrungen mit einfachen Instrumenten (Rassel, Hölzer, ...) gehören ebenso dazu, wie das Hören von verschiedenen Musikrichtungen. Auch wenn die Kinder in den ersten Stunden manchmal etwas irritiert wirken, bemerkt man von Stunde zu Stunde eine Entwicklung bis zur freudigen Erwartung, was nun kommen wird.
Bei den größeren Kindern darf es schon etwas temperamentvoller zugehen und die Gitarre kommt zum Einsatz. Einen großen Raum nehmen die "alten" Kinderlieder ein, die aus einem Liederbuch gesungen werden, das jedes Kind besitzt. Natürlich haben auch Fingerspiele, Kniereiter, Tänze, Instrumente, usw. ihren festen Platz. Besonders beliebt ist das Hören von Tierstimmen, die dann der entsprechenden Tierfigur zugeordnet werden.
In diesen Kursen für Kindergartenkinder steht nicht mehr nur das Ausprobieren der einfachen Instrumente inclusive Xylophon und Glockenspiel im Vordergrund, sondern je älter die Kinder werden, desto zielgerichteter wird das Spiel angeleitet. Auch beginnen wir mit einfachen Formen der Musiknotation. Hierzu erhalten die Kinder jede Woche eine "Hausaufgabe", die anregen soll, das Gelernte allein mit den Eltern noch einmal zu vertiefen.
Im Aufbau befindet sich eine Gruppe 5-jähriger Kinder, die auf ihr Eintreten in den Kinderchor vorbereitet werden und ohne Eltern die Stunde besuchen. Hier führe ich einfache Übungen der Stimmbildung zum Kennenlernen der eigenen Stimme ein.
Um die Eltern auch weiterhin in das musikalische Geschehen einzubinden, zeigen wir den Eltern, was wir in der Stunde gemacht haben und schließen die Stunde mit einem gemeinsamen Tanz ab.
Wichtig für alle Kurse ist mir, den Kindern eine breite Auswahl zu bieten: Von einfachen Kinderliedern, selbstgesungen bis hin zu Orchestermusik (von der CD). Von Hinhören bis selbst Klänge erzeugen. Von den gewöhnlichen Dur-Tonarten bis zu ungewohnten Tonarten.
Bei allem Interessantem in der Musik hat für mich das Singen den höchsten Stellenwert. Die Stimme ist unser schönstes Instrument, das uns Gott gegeben hat, und das wir überall dabei haben.
In diesem Sinne möchten wir Ihnen in der nächsten Ausgabe die Arbeit unseres Kinderchores näher vorstellen.
Susanne Nagel