„Die Kirche hat den Auftrag, Gottes Liebe zur Welt in Jesus Christus allen Menschen zu bezeugen. Diakonie ist eine Gestalt dieses Zeugnisses und nimmt sich besonders der Menschen in leiblicher Not, in seelischer Bedrängnis und in sozial ungerechten Verhältnissen an. Im Rahmen dieses Auftrages sucht sie auch die Ursachen dieser Nöte zu beheben. Sie richtet sich in ökumenischer Weite an einzelne und Gruppen, an Nahe und Ferne. Da die Entfremdung von Gott die tiefste Not des Menschen ist und sein Heil und Wohl untrennbar zusammengehören, vollzieht sich Diakonie in Wort und Tat als ganzheitlicher Dienst am Menschen“
(aus der
Präambel der Satzung des Diakonischen Werkes in Hessen und Nassau e.V.).
Seit den frühen Anfängen der Kirche ist in ihr diakonisches Handeln ein fester Bestandteil. Die Wurzeln der organisierten Diakonie liegen im Jahr 1848. Der Hamburger Theologe und Gründer des "Rauhen Hauses" Johann Hinrich Wichern regte auf dem Kirchentag in Wittenberg die Gründung eines "Centralausschusses der Inneren Mission der Deutschen Evangelischen Kirche" an.
Die bereits bestehenden Initiativen und Vereine christlichen Engagements für Arme und Kranke sollten sich über die Grenzen der deutschen Kleinstaaterei hinaus zusammen schließen und unterstützt von der ganzen Kirche die Hilfe für Notleidende ausweiten. Mit der Zeit entstanden in ganz Deutschland Verbände der Inneren Mission mit rechtlich selbstständigen, sozialpädagogischen und pflegerischen Heimen, Anstalten und Einrichtungen.
Als zweiter Gründungsvater neben Wichern gilt Pfarrer Theodor Fliedner. Er schuf den neuen Beruf der Diakonisse. Diakonissen, Schwesternschaften und Gemeinschaften von Diakoninnen und Diakonen haben viele Jahre die diakonische Arbeit in Krankenhäusern und in Gemeinden getragen.
1945 wurde das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen in Deutschland gegründet. Es diente der Erschließung von Auslandshilfen und der Belebung ökumenischer Kontakte, um die Hungersnot in Deutschland zu bekämpfen, Vertriebene und Flüchtlinge anzusiedeln und die Jugendberufsnot zu lindern.
Seit dem Jahr 1957 schlossen sich die Innere Mission und das Evangelische Hilfswerk in landeskirchliche Werke zusammen. Im Bereich der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau geschah dies im Jahre 1960. Im Jahre 1975 wurden sie dann in Westdeutschland auf Bundesebene im Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland vereint.
Das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland ist ein gemeinnütziger Verein. Ihm gehören als Mitglieder die Diakonischen Werke der 22 Landeskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland, neun Freikirchen mit ihren diakonischen Einrichtungen sowie 81 Fachverbände der verschiedensten Arbeitsfelder an. Laut Satzung nimmt das Diakonische Werk als Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) "diakonische und volksmissionarische Aufgaben im Sinne der Grundordnung der Evangelischen Kirche in Deutschland wahr. Es sorgt für die Ausrichtung kirchlicher Arbeit in diakonischer und volksmissionarischer Verantwortung." Es erfüllt "die Aufgaben, die einer einheitlichen Wahrnehmung und Vertretung bedürfen, wie Aufgaben der ökumenischen Diakonie, der überregionalen Not- und Katastrophenhilfe, der zentralen Fort- und Weiterbildung der Mitarbeitenden, der für die Gesamtarbeit des Diakonischen Werkes erforderlichen Grundlagenforschung und der Mitwirkung bei der staatlichen Gesetzgebung."
Das im Mai 2001 von der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) mit großer Mehrheit gebilligte Diakoniegesetz regelt die rechtlichen Grundlagen der diakonischen Arbeit in der hessen-nassauischen Landeskirche. Die Kirchengemeinden, so heißt es in dem Gesetz, "nehmen (...) diakonische Aufgaben wahr und leisten dadurch einen sichtbaren Beitrag zur Verkündigung des Evangeliums." "Zur Durchführung, Förderung und Unterstützung der diakonischen Arbeit in den Gemeinden und Dekanaten", so § 12 des Gesetzes, "richtet das Diakonische Werk in Hessen und Nassau unter Beteiligung der Dekanate auf der Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte regionale Diakonische Werke ein." So auch das Diakonische Werk Offenbach-Dreieich-Rodgau.
Das Diakonische Werk in Hessen und Nassau ist der größte Wohlfahrtsverband in Hessen.
Sichtbares Zeichen der Diakonie ist das Kronenkreuz. Entwickelt wurde es 1925 als Signet für die Innere Mission von Professor Richard Böhland von der Kunstschule Berlin. Er brachte hier das Kreuz mit den Anfangsbuchstaben der Inneren Mission, also "IM", in Verbindung. Mit diesem Zeichen sollten die Zusammengehörigkeit der verschieden Einrichtungen und Verbände der Inneren Mission nach außen sichtbar werden.
Die Bezeichnung Kronenkreuz erhielt es erst später. Heute wird es als Zeichen der Ermutigung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Diakonie gesehen: Das Kreuz als Hinweis auf Not und Tod, die Krone als Zeichen der Hoffnung und Auferstehung. Die Verbindung von Kreuz und Krone soll die Zuversicht befestigen, dass Not zu überwinden ist, weil Christus Not und Tod überwunden hat. Die Diakonie verwendet heute das Kronenkreuz in einer modernisierten Fassung in Verbindung mit dem Wort Diakonie.
Um weltweit Menschen zu helfen, die unter den Folgen von Katastrophen oder Krieg und Vertreibung leiden, gibt es unter dem Dach des Diakonischen Werkes in der Evangelischen Kirche in Deutschland drei verschiedene Organisationen mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
Die "Diakonie Katastrophenhilfe" hilft, wenn die Not am größten ist. Sie hilft Menschen, die Opfer von Naturkatastrophen, Dürren oder Epidemien wurden, aber auch von Krieg und Vertreibung.
"Brot für die Welt" ist eine Aktion der kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit und wird getragen von allen evangelischen Landes- und Freikirchen Deutschlands. In jährlich mehr als 2000 Hilfe-zur-Selbsthilfe Projekten und Programmen wird gemeinsam mit Partnern vor Ort langfristig die Entwicklung in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa gefördert.
"Hoffnung für Osteuropa" wurde 1994 als Netzwerk der Hilfe gegründet. Es kooperiert mit einheimischen Partnern und leistet Hilfe zur Selbsthilfe. Zu den Projekten, die in den letzten Jahren gefördert wurden, zählen Einrichtungen für Straßenkinder, Kinder- und Jugendbegegnungsstätten, Diakonie- und Sozialstationen, Menschenrechtszentren, Altenheime und Kindergärten.
Stefan Buch