Stammvater Abraham

Gemeinsame Wurzeln von Christen, Juden und Muslimen

In Fortführung des mehrteiligen Themas "Weltreligionen" wird nachfolgend die verbindende Figur des Abraham, der sowohl für Christen als auch Juden und Muslims als Stammvater gilt, in Erinnerung gerufen. Alle drei monotheistischen Religionen werden auch als abrahamitische Religionen bezeichnet.

Nachfolgend wollen wir uns die Abrahamserzählung im ersten Buch Mose (Genesis) auszugsweise ansehen:

Kapitel 11, Vers 27 Dies ist das Geschlecht Terachs: Terach zeugte Abram, Nahor und Haran; und Haran zeugte Lot. 28 Haran aber starb vor seinem Vater Terach in seinem Vaterland zu Ur in Chaldäa. 29 Da nahmen sich Abram und Nahor Frauen. Abrams Frau hieß Sarai und Nahors Frau Milka, Harans Tochter, der der Vater war der Milka und der Jiska. 30 Aber Sarai war unfruchtbar und hatte kein Kind.
31 Da nahm Terach seinen Sohn Abram und Lot, den Sohn seines Sohnes Haran, und seine Schwiegertochter Sarai, die Frau seines Sohnes Abram, und führte sie aus Ur in Chaldäa, um ins Land Kanaan zu ziehen. Und sie kamen nach Haran und wohnten dort. 32 Und Terach wurde zweihundertundfünf Jahre alt und starb in Haran.

Kapitel 12, Vers 1 Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. 2 Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. 3 Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.
4 Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte, und Lot zog mit ihm. Abram aber war fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran zog. 5 So nahm Abram Sarai, seine Frau, und Lot, seines Bruders Sohn, mit aller ihrer Habe, die sie gewonnen hatten, und die Leute, die sie erworben hatten in Haran, und zogen aus, um ins Land Kanaan zu reisen. Und sie kamen in das Land, 6 und Abram durchzog das Land bis an die Stätte bei Sichem, bis zur Eiche More; es wohnten aber zu der Zeit die Kanaaniter im Lande.7 Da erschien der HERR dem Abram und sprach: Deinen Nachkommen will ich dies Land geben. Und er baute dort einen Altar dem HERRN, der ihm erschienen war. 8 Danach brach er von dort auf ins Gebirge östlich der Stadt Bethel und schlug sein Zelt auf, so dass er Bethel im Westen und Ai im Osten hatte, und baute dort dem HERRN einen Altar und rief den Namen des HERRN an. 9 Danach zog Abram weiter ins Südland. 10 Es kam aber eine Hungersnot in das Land. Da zog Abram hinab nach Ägypten, dass er sich dort als ein Fremdling aufhielte; denn der Hunger war groß im Lande.

Zusammen mit seinem Vater Terach und Lot, dem Sohn seines verstorbenen Bruders Haran, war der chaldäische Hirte Abram aus seiner Heimat der sumerischen Stadt Ur in Chaldäa (im Süden des heutigen Irak) nach Haran (in der heutigen Türkei) gewandert, weil die Stadt Ur von Feinden besetzt worden war. Es war die Zeit des Endes der Jungsteinzeit und des Beginns der Bronzezeit um 1900 vor Chr., eine Zeit, in der die Nomaden mehr und mehr sesshaft wurden und sich bereits auf den Anbau von Getreide und die Vorratshaltung verstanden.

Beim Aufenthalt in der Stadt Haran erreichte Abraham der göttliche Ruf mit der Aufforderung, seine Leute zu verlassen. Es wurde ihm geweissagt, dass er der Stammvater eines großen Volkes werde. Abraham zog mit seinen Angehörigen - zu ihnen zählten außer seiner kinderlosen Frau Sarai auch die Familie seines Neffen Lot - nach Kanaan in Palästina und von dort wegen einer Dürre weiter nach Ägypten. Seine Gemahlin gab er als seine Schwester aus, da er fürchtete, ihrer Schönheit wegen getötet zu werden. Der Pharao begehrte Sarai, ließ sie jedoch in Ruhe, als am königlichen Hof Krankheiten ausbrachen und er erfuhr, wessen Frau sie war. Abraham kehrte daraufhin nach Kanaan zurück. Da das Land für die Herden Abrahams und Lots zu karg war, trennten sie sich. Lot ging nach Sodom, einem damals fruchtbaren Gebiet.

Obwohl Abraham und Sarai bereits alt waren, hatte Abraham erneut eine Vision, Nachkommen zu bekommen so zahlreich wie die Sterne am Himmel. Da Sara wegen ihres hohen Alters nicht annahm, der Weissagung entsprechen zu können, führte sie Abraham, dem damals gängigen Brauche kinderloser Ehefrauen entsprechend, ihre Leibmagd zu.

Kapitel 16, Vers 4 Und er ging zu Hagar, die ward schwanger. Als sie nun sah, dass sie schwanger war, achtete sie ihre Herrin gering. 5 Da sprach Sarai zu Abram: Das Unrecht, das mir geschieht, komme über dich! Ich habe meine Magd dir in die Arme gegeben; nun sie aber sieht, dass sie schwanger geworden ist, bin ich gering geachtet in ihren Augen. Der HERR sei Richter zwischen mir und dir. 6 Abram aber sprach zu Sarai: Siehe, deine Magd ist unter deiner Gewalt; tu mit ihr, wie dir's gefällt.
Als nun Sarai sie demütigen wollte, floh sie von ihr. 7 Aber der Engel des HERRN fand sie bei einer Wasserquelle in der Wüste, nämlich bei der Quelle am Wege nach Schur. 8 Der sprach zu ihr: Hagar, Sarais Magd, wo kommst du her und wo willst du hin? Sie sprach: Ich bin von Sarai, meiner Herrin, geflohen. 9 Und der Engel des HERRN sprach zu ihr: Kehre wieder um zu deiner Herrin und demütige dich unter ihre Hand. 10 Und der Engel des HERRN sprach zu ihr: Ich will deine Nachkommen so mehren, dass sie der großen Menge wegen nicht gezählt werden können. 11 Weiter sprach der Engel des HERRN zu ihr: Siehe, du bist schwanger geworden und wirst einen Sohn gebären, dessen Namen sollst du Ismael nennen; denn der HERR hat dein Elend erhört. 12 Er wird ein wilder Mensch sein; seine Hand wider jedermann und jedermanns Hand wider ihn, und er wird wohnen all seinen Brüdern zum Trotz.

Kapitel 17, Vers 15 Und Gott sprach abermals zu Abraham: Du sollst Sarai, deine Frau, nicht mehr Sarai nennen, sondern Sara soll ihr Name sein. 16 Denn ich will sie segnen, und auch von ihr will ich dir einen Sohn geben; ich will sie segnen, und Völker sollen aus ihr werden und Könige über viele Völker. 17 Da fiel Abraham auf sein Angesicht und lachte und sprach in seinem Herzen: Soll mir mit hundert Jahren ein Kind geboren werden, und soll Sara, neunzig Jahre alt, gebären? 18 Und Abraham sprach zu Gott: Ach dass Ismael möchte leben bleiben vor dir! 19 Da sprach Gott: Nein, Sara, deine Frau, wird dir einen Sohn gebären, den sollst du Isaak nennen, und mit ihm will ich meinen ewigen Bund aufrichten und mit seinem Geschlecht nach ihm. 20 Und für Ismael habe ich dich auch erhört. Siehe, ich habe ihn gesegnet und will ihn fruchtbar machen und über alle Maßen mehren. Zwölf Fürsten wird er zeugen und ich will ihn zum großen Volk machen. 21 Aber meinen Bund will ich aufrichten mit Isaak, den dir Sara gebären soll um diese Zeit im nächsten Jahr. 22 Und er hörte auf, mit ihm zu reden. Und Gott fuhr auf von Abraham.

Es war die Magd Hagar, eine junge Ägypterin, die von Abraham schwanger wurde und Ismael gebar. Damals galten Söhne der Leibmägde als solche der Herrin, wenn diese unfruchtbar war. Eines Tages wurde Abraham prophezeit, dass seine Frau Sarai in einem Jahr einen Sohn gebären werde. Sarai, die im Inneren des Zeltes das Gespräch hörte, lachte über diese Weissagung. Ein Jahr nach der Ankündigung schenkte die Frau Abrahams einem Sohn das Leben. Er wurde Isaak genannt.

Kapitel 21, Vers 8 Und das Kind wuchs heran und wurde entwöhnt. Und Abraham machte ein großes Mahl am Tage, da Isaak entwöhnt wurde. 9 Und Sara sah den Sohn Hagars, der Ägypterin, den sie Abraham geboren hatte, wie er Mutwillen trieb. 10 Da sprach sie zu Abraham: Treibe diese Magd aus mit ihrem Sohn; denn der Sohn dieser Magd soll nicht erben mit meinem Sohn Isaak. 11 Das Wort missfiel Abraham sehr um seines Sohnes willen.
12 Aber Gott sprach zu ihm: Lass es dir nicht missfallen wegen des Knaben und der Magd. Alles, was Sara dir gesagt hat, dem gehorche; denn nur nach Isaak soll dein Geschlecht benannt werden. 13 Aber auch den Sohn der Magd will ich zu einem Volk machen, weil er dein Sohn ist.
14 Da stand Abraham früh am Morgen auf und nahm Brot und einen Schlauch mit Wasser und legte es Hagar auf ihre Schulter, dazu den Knaben, und schickte sie fort. Da zog sie hin und irrte in der Wüste umher bei Beerscheba. 15 Als nun das Wasser in dem Schlauch ausgegangen war, warf sie den Knaben unter einen Strauch 16 und ging hin und setzte sich gegenüber von ferne, einen Bogenschuss weit; denn sie sprach: Ich kann nicht ansehen des Knaben Sterben. Und sie setzte sich gegenüber und erhob ihre Stimme und weinte.
17 Da erhörte Gott die Stimme des Knaben. Und der Engel Gottes rief Hagar vom Himmel her und sprach zu ihr: Was ist dir, Hagar? Fürchte dich nicht; denn Gott hat gehört die Stimme des Knaben, der dort liegt. 18 Steh auf, nimm den Knaben und führe ihn an deiner Hand; denn ich will ihn zum großen Volk machen.
19 Und Gott tat ihr die Augen auf, dass sie einen Wasserbrunnen sah. Da ging sie hin und füllte den Schlauch mit Wasser und tränkte den Knaben. 20 Und Gott war mit dem Knaben. Der wuchs heran und wohnte in der Wüste und wurde ein guter Schütze. 21 Und er wohnte in der Wüste Paran und seine Mutter nahm ihm eine Frau aus Ägyptenland.

Für die Muslime ist Abraham (Ibrahim) eine zentrale Figur, er gilt als Prophet. Ismael ist sogar der erstgeborene Sohn Abrahams und gilt als Stammvater der arabischen Stämme. Auf ihn und seine Nachkommenschaft beruft sich später der Prophet Mohammed, als er den Islam, als Offenbarung Gottes im Koran verkündet.

Auch die Wallfahrt nach Mekka (Hadsch) geht nach islamischer Auffassung auf Ibrahim zurück. Er habe dort wo heute die Kaaba steht, eine Gedenkstätte an Gott erneut errichtet, welche ursprünglich der Legende nach, von Adam (Adam und Eva) gebaut worden sein soll.

Hoch gepriesen wird Opferbereitschaft von Ibrahim, seinen Sohn Isaak (nach islamischer Auffassung Ismael) für den einzigen Gott zu opfern, wobei ihm ein Engel dieses aber verwehrte. Der Ort dieses Geschehens war nach islamischer Auffassung ein Felsen, um den herum später Jerusalem und dann der salomonische Tempel erbaut, welcher von den Römern zerstört und nach Beendigung der Kreuzzüge und der Inbesitznahme von Jerusalem durch die Muslime als Felsendom errichtet wurde.

Wilfried Haamel