wie sehr ein kleines Satzzeichen den Sinn einer Aussage verändern kann, zeigt der neue Gemeindebrief. Dass unser Gemeindeumfeld sich stark verändert, und zwar sowohl baulich, als auch von der Sozialstruktur her, war uns in der Redaktion bewusst. Nur: wie sieht ein Titel für dieses Thema aus? Wenn wir die Veränderungen im Gemeindebezirk als Frage formulieren – "was bleibt?" –, liegt die Betonung auf dem Verlust. Und für diesen Blickwinkel lassen sich genug Anhaltspunkte finden: vertraute Ladengeschäfte schließen, die Sozialstruktur des Stadtteils wandelt sich sehr stark.
Die Merkmale "evangelisch, familienorientiert, Kirchengänger" sind hier immer seltener zu finden. Auch in unseren Gottesdienst- und Konzertbesuchen macht sich das bemerkbar. Unser Gemeindebezirk, der für viele Gemeindemitglieder eben auch ein wichtiges Lebensumfeld ist, verliert an Attraktivität und Bindungskraft. Resignation also?
Ganz anders sieht es aus, wenn man das Fragezeichen durch einen Punkt ersetzt. Mit einem Schlag ändert sich die Stimmung. Ein solches "Was bleibt." formuliert mit einem geradezu lutherischen "Hier stehe ich, ich kann nicht anders" das ganze Selbstbewusstsein und den Selbstbehauptungswillen einer 2000-Seelengemeinde in schwierigem Umfeld. Von einer solchen Perspektive aus wäre der Schritt nicht weit zu einer Gemeindearbeit, die dem Lebensumfeld ihren Stempel aufdrücken möchte. Eine Gemeinde, die selbstbewusst und aktiv an der Gestaltung des eigenen Profils und Umfelds mitzuwirken und den eigenen Standort zu verteidigen bereit ist. Also doch utopisch?
Von der Empfindung her überwiegt manchmal die Melancholie des Fragezeichens. Von der faktischen Realität unserer Gemeindesituation her (jetzt auch mit dem Neubau der Kita) könnten wir sicher manchmal mehr vom Trotz und Überwindungswillen gebrauchen, der im bleibenden Punkt enthalten ist. Melancholie – Realismus – Utopie. Zwischen diesen Polen scheint die Gemeinde aktuell verortet zu sein.
Einen Augenzeuge des Wandels in unserem Gemeindebezirk haben wir interviewt. Wolfgang Weyrich, ehemaliger Kantor und Chorleiter von Kantorei und Offenbacher Kammerchor, erinnert sich an alte Firmen und Geschäfte, die rund um die Lutherkirche angesiedelt waren. Und er vertraute uns seinen ganz eigenen Blick auf die Veränderungen in unserem Stadtteil an. Wie unser Bezirk aus Sicht der Offenbacher Stadtplaner aussieht und welche Zukunft er hat, beschreibt uns Marion Rüber-Steins, die wir ebenfalls für ein Interview gewinnen konnten.
Einen sehr erfreulichen Wandel erlebt die Gemeinde am 04. November: die Eröffnung der neuen Kita. Mit einem Festgottesdienst wird der Bau eingeweiht. Mehr dazu in dieser Ausgabe.
Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen
Ihr Redaktionsmitglied
Holger Senft