Auf die Einladung zum Montag, den 25. Januar 1960, waren viele Freizeitler des vergangenen Jahres und interessierte Gemeindeglieder erschienen, sodass der Gemeindesaal bis auf den letzten Platz gefüllt war. Dekan Eckert eröffnete den Abend mit einer Psalmlesung und mit einem gemeinsamen Lied. Er unterstrich die Bedeutung der Freizeitarbeit für die christliche Gemeinde der Gegenwart und bezeichnete sie als ein bedeutendes Stück Volksmission. Es ist heilsam für viele Teilnehmer gewesen, auf dem Wege über die Freizeiten in die Gemeinden hineinzuwachsen. Insgesamt wurden bis jetzt 12 Freizeiten seit 1954 durchgeführt; 650 Gemeindeglieder und Gäste aus anderen Gemeinden beteiligten sich daran. Gerade für den städtischen Menschen, der trotz der Enge des Wohnraums doch recht vereinsamt lebt, ist: es wohltuend, in seinem Mitmenschen wieder im Sinne der Bibel den "Nächsten" zu entdecken. Viele Freundschaften haben sich angebahnt, und bisher fernstehende Menschen sind der Gemeinde näher gekommen. Die Freizeiten haben nichts mit einem Reiseunternehmen zu tun, sondern sie nehmen das Erlebnis der Fahrt und der Natur - als ein Geschenk Gottes hin, für das man dankbar ist, dafür den Schöpfer lobt und preist.
Von größter Wichtigkeit für unsere Gemeindeglieder ist es auch, einmal wieder wirklich einen Tagesablauf in christlicher Weise mitzumachen. Mit Morgen- und Abendandachten und Tischgebeten wird der Tag erlebt, dazu kommen Bibelbesprechungen oder Aussprachen. Auf der anderen Seite aber sind die Freizeitteilnehmer nie "religiös überfüttert" worden, was bei vielen Freizeiten der Fall war, die deshalb ihren Sinn nicht erfüllten.
Es soll trotz allem die Erholung im Vordergrund stehen, und jeder soll trotz der Gemeinschaft die Möglichkeit haben, auch für sich in die Stille zu gehen.
Als ein besonderes Geschenk werden die geselligen Abende hingenommen. Einmal, indem wir uns alle an einem offenen Abend beteiligen. Zum anderen Mal kann jeder, wie er will, sich beschäftigen mit Gesellschaftsspielen, Musik, Gesang oder Gesprächen. Platz genug war bis jetzt in all unseren Freizeiten vorhanden. Wer Lust hatte, sich gehörig auszuschlafen, kam auch auf seine Kosten und durfte erleben, dass die anderen Rücksicht darauf nahmen.
Der Erinnerungsabend führte die Teilnehmer zunächst mit wunderbaren Diaaufnahmen von Herrn Gustav Zahl nach Oberleibenberg bei Füssen (Allgäu). Zunächst grüßte uns das ehrwürdige Ulmer Rathaus und die wundervolle Barockkirche der Benediktinerabtei Ottobeuren; dann folgten viele Aufnahmen des Landhauses Delker in Oberleibenberg mit seinem gepflegten Garten und den herrlichen Blumen. Weiter grüßten uns das grünschillernde Wasser des Lech und der Forggensee mit seiner Staumauer und dem Elektrizitätswerk, die ehemalige Reichsstadt Füssen mit der Hohen Burg und dann anschließend der Lechfall. Auch Hohenschwangau mit seinen Schlössern Neuschwanstein und Hohenschwangau nebst Alp und Schwanensee. Neben der Wieskirche und dem wundervollen Schloss Linderhof von Ludwig II. sah man die Benediktinerkirche des Wallfahrtsortes und Klosters Ettal. Es leuchteten auf die schneebedeckten Hänge der Zug- und Alpspitze mit Garmisch Partenkirchen und gleichermaßen auch die unbeschreiblich schöne Stadt in Tirol: Innsbruck mit seinem "Goldenen Dachl". Eine wundervolle Erinnerung für alle Teilnehmer unserer ersten Freizeit im Juni vorigen Jahres!
Und dann führte uns der Sohn unseres Küsters, Herr Ernst. Dreger, über München und Salzburg hinunter in die Steiermark, ins grüne Ennstal und zum 3000 m hohen Dachstein. Neunmal war der Berggasthof "Winterer" unser Ferienziel und weiß immer wieder seine Offenbacher Gäste zu begeistern. Die Verbundenheit unserer steierischen Glaubensgenossen mit unserer Offenbacher, Gemeinde zeigte sich darin, dass sie die Taufe des jüngsten Sohnes für unsere Freizeit aufgehoben haben. Der Junge wurde von Dekan Eckert im ersten Gottesdienst droben in Rohrmoos getauft. 6 Posaunen und der Kirchenchor gaben dem ersten Gottesdienst am Dachstein sein besonderes Gepräge.
Auch der Buntfilm von Herrn Karl Fey aus Neu-Isenburg, seit Jahren, Nebengast unserer Freizeit, hielt die Tauffeier und den anschließenden Gottesdienst im Bilde fest. Welche Freude bereitete es den Besuchern, wieder einen Blick zu werfen ins Ober- und Untertal, hinunter ins Tal der Preunegg oder einen Blick auf den 52 km langen Dachsteinrücken vom Torstein bis zum Grimming. Begeistert sahen wir die Bilder von unserem Hausberg: der Hochwurzen und dem Schober oder auch die wundervollen Aufnahmen vom Sessellift auf die Tauplitz-Alm. Oder die harten Felswege hinan zur Austria- und Südwandhütte am Fuß des Dachsteins erinnerten an erlebnisreiche Stunden.
Herr Franz Sußner und Herr Wilhelm Vierheller zeigten noch weitere Bilder zur Ergänzung der Erinnerungen an die Steiermärkerfreizeit. Sie zeigten aber auch die Not der Bergbewohner auf. Wir erlebten noch einmal jene bangen Tage mit als der Himmel seine Schleusen öffnete und tagelang den Regen herabstürzen ließ. Da schwollen die Flüsse an, da wurden friedliche Bäche zu reißenden Strömen und brachten Unglück und Elend über das Land. Balken wurden weggeschwemmt, und auch Beton und Eisen konnten dem Element nicht standhalten, Landstraßen wurden in Seen verwandelt. Bei allem Ernst gab es auch fröhliche Bilder, als wir den Jeep halb in die Fluten versinken sahen und Fahrer und Mitfahrer mit hochgekrempelten Hosen versuchten, das Fahrzeug aus dem Wasser zu schieben. 'Wie froh waren wir alle, dass wir nur mit einem Tag Verspätung wieder wohlbehalten mit Herrn Haags Autobus nach Hause zurückkehren konnten. In der Nähe in Filzmoos saßen die Sommergäste über vier Wochen in der Falle.
Das alles durften wir noch einmal schauen und freudig nacherleben mit den wunderbaren Lichtbildern und Filmen der vorgenannten Herren.
Im letzten Drittel des Abends erlebten wir mit den herrlichen Aufnahmen von Herrn Hans Orlamünder und den Teilnehmern der Septemberfreizeit zum ersten Male Italien. Eigentlich ist es ein Stück Österreich, das nach dem 1. Weltkrieg von den deutschen Erblanden Tirol gewaltsam abgetrennt wurde. Südtirol wurde mit der Provinz Trient zu einem italienischen Land gemacht. Die Bewohner aber betonen noch heute, nach 40 Jahren, ihr Deutschtum.
Wir sahen den Hochfinstermünzpass mit der Dreiländerecke, wo Österreich, Italien und Schweiz sich am Inn begegnen; und dann grüßte uns das Schild: Gomagoi mit seinem Straßenfort aus dem ersten Weltkrieg. Das Hotel "Post", das uns aufnahm, ist bis jetzt das vornehmste Quartier gewesen, das wir jemals in einer Freizeit besaßen; ein großer heller Speisesaal und wundervolle Zimmer. Es ist mit Worten kaum zu beschreiben, was für Herrlichkeiten die Umgebung birgt. An unserem Hotel gabelt sich die Straße und führt in südlicher Richtung hinauf nach Trafoi mit dem gewaltigen Gletscherpanorama des fast 4000 Meter hohen Ortler. Schon gleich am Sonntagnachmittag ging's dort hinauf und mit dem Sessellift auf die Furkelspitze, um noch näher das gewaltige Bild des eisgepanzerten Berges vor sich zu haben. In großen Gletschern zieht sich der Berg in das weite Tal hinein, und imponierend ragen aus dem Eispanzer die Steinpyramiden der Nashornspitze und des Maddaccio hervor.
Am Montag ging's dann hinauf auf die 48 Kehren mit einem Höhenunterschied von 1400 Meter zum 2760 Meter hohen Stilfserjoch. Wie ein verlorenes Menschlein kommt man sich dort oben vor, umgeben von der riesigen Welt der schneebedeckten Drei- und Viertausender.
Wir Landratten trauten unseren Augen nicht, als Omnibusse mit Skifahrern aus der Hitze des Tales heraufkamen, die dann, nach weiteren 500 Meter Aufstieg, die Bretter anschnallten, um dort zünftig dem Wintersport zu huldigen.
An einem anderen Tage ging's 6 Kilometer in südöstlicher Richtung hinauf zum 600 Meter höher gelegenen Sulden mit dem Ortler und der Königsspitze und dem gewaltigen Suldner Gletscher und der Suldenspitze.
Die Jugend stieg zur Mailänderhütte empor und durfte in 2700 Meter Höhe die Herrlichkeiten der Landschaft schauen. Ein anderes Mal führte der Weg über Trafoi und die "Drei Brunnen" zur Borlettihütte. All diese herrlichen Panoramen hat Herr Orlamünder auf seine Filme bekommen und so unvergessliche Andenken an diese Tage geschaffen.
Zwei große Sonderfahrten brachten noch wunderbare Erlebnisse. Einmal ging's über das Stilfserjoch und Bormio nach Tirano durch das so genannte Veltin und dann hinein in die Schweiz über die mühseligen Straßen empor zum Berninapass.
Droben in der Steinwüste schauten wir empor zu den stolzen Spitzen des Piz Bernina und Piz Palü, deren schneebedeckte Gipfel von einem blauen Himmel gekrönt waren. Dann ging es hinunter nach Pontresina und St. Moritz, unbeschreiblich schöne Orte kultiviertester Gastlichkeit. Der Weg führte durch das Oberengadin über Samedan, Zuoz nach Zernez, mitten im rätoromanischen Gebiet der Schweiz.
Unvergesslich war dann die folgende Fahrt durch den Schweizer Nationalpark und über den Ofenpass. Dazwischen lag ein erholsamer Nachmittag in dem einmalig schönen Kurort Meran, der Perle Südtirols. Auch den Dolomiten galt unser Besuch, und wundervolle Aufnahmen zeigten den höchsten Berg: die Marmolata mit ihrem Eispanzer, zu der wir vom Sellajoch hinüberblickten, das sich zwischen der Sellagruppe und dem Langkofel hindurchzwängt.
Mit dem Dank an unsere Fotografen, die uns mit ihrem Hobby beglückten, schloss ein wohlgelungener Gemeindeabend.
(aus "Kirchenbote für das evangelische Offenbach", Beilage zu "Weg und Wahrheit", Nummer 3, 14.2.1960)
Die Lutherkirche, die mit Treppen reichlich gesegnet ist, soll mit dem Bau eines Aufzuges einen barrierefreien Zugang bekommen. Um dieses Vorhaben auch Umsetzten zu können ist die Luthergemeinde auf Spenden zur Finanzierung angewiesen.