Es war eine ganz klare Sache, dass die Luthergemeinde auch in diesem Jahre wieder ihre Freizeit in Rohrmoos, mit dem herrlichen Blick auf die Dachsteinsüdwände, halten würde. So fuhren am 31. August 52 Teilnehmer mit dem Reiseonkel über die herrliche Autobahn, Richtung München, den Bergen entgegen. Nach kurzer Mittagsrast im Hofbräuhaus gings in Richtung Salzburg, vorbei am Chiemsee, der Grenze entgegen. Hatte man bis jetzt die einzelnen Berggruppen der Alpen nur in der Ferne schauen können, so ist man nach dem Grenzübertritt auf einmal mitten drin. Nur schade, dass es jetzt dunkel wird, und damit ist es aus mit der schönen Sicht. Um 22 Uhr kamen wir nach anstrengender Fahrt in unserem Freizeitheim, herzlich begrüßt von den Hausleuten, an. Nach dem Abendessen ging es dann gleich zu Bett.
Am ersten Tag in den Bergen wollten wir uns zunächst an die veränderten Luft- und Klimaverhältnisse gewöhnen. Bei kleineren Spaziergängen in die nähere Umgebung galt es, alte Freundschaften aufzufrischen und neue zu schließen, und bald war nur noch alles eine einzige echte Freizeitgemeinde.
Dienstag, der 2. September, brachte uns die erste Sonderfahrt. Mit 2 Omnibussen fuhren wir über Schladming durch die österreichische Ramsau zum Lodenwalker. Von da, aus ging es dann zu Fuß weiter zur Silberkarklamm. Über schmale Stege, große Leitern, dicht an den Felswänden entlang, führte der Weg an, vielen Wasserfällen, u. a. am Schleierfall, vorbei, zuletzt durch ein großes Geröllfeld zur Silberkarhütte. Ein einmalig schönes Erleben war diese Kletterpartie.
Nach einem Ruhetag starteten wir am Donnerstag, 4. September, zur ersten großen Sonderfahrt zunächst zum vorderen Gosausee. Hier bot sich uns ein überwältigend schöner Blick über den von steilen Felswänden umschlossenen See auf den gewaltigen Dachstein mit dem Gosaugletscher. Nicht lang durften wir uns des herrlichen Blickes erfreuen, und es ging weiter zum Hallstätter See. Nach kurzer Mittagsrast in Hallstatt brachte uns der Linienbus nach Obertraun und zur Talstation der Dachsteinbahn. Zu je 40 Personen fuhren wir mit der Gondelbahn zunächst zur Schönbergalpe und von da aus weiter zum hohen Krippenstein. Von den Höhen grüßte uns das Heilbronner Kreuz und mahnte uns, der Kinder zu gedenken, die hier verunglückten. Vom Hohen Krippenstein (2109 m) bot sich uns ein überwältigender Blick hinter die Kulissen des Dachsteinmassivs. Hatten wir den Berg bis jetzt immer nur von seiner Südwand her gewissermaßen als Fassade gesehen, so durften wir diesmal erst so recht erleben, wie Gewaltiges hinter dieser Ansicht steckt. Nur zu bald mussten wir wieder Abschied nehmen. Wir wollten ja noch die Eishöhlen besuchen. So gings, denn zurück zur Schönbergalpe, um von dort den Einstieg in die Eishöhle zu erreichen. Durch enge Gänge wurden wir zu einer riesigen Felshalle geführt, deren Boden mit gewaltigen Felstrümmern bedeckt war. Weiter ging es schließlich über Stege und große Eisfelder zur Montsalvatgruppe, die durch indirekte Beleuchtung ein imposantes Farbspiel zeigte. Zwischendurch gab es einen zu Eis erstarrten Wasserfall zu bestaunen und als Schönstes die wunderbar schöne Eiskapelle, ebenfalls von Scheinwerfern indirekt angestrahlt. Von all dem Wunderbaren überwältigt, ging es dann heimwärts, wo am nächsten Tag noch viel darüber gesprochen und die Einzelheiten nochmals verarbeitet wurden.
Aber schon am Samstag, dem 6. September, waren wir wieder unterwegs. Das. Wetter war ja auch zu schön fürs Stubenhocken. Diesmal war großer Wandertag. Eine Gruppe fuhr mit der Gondelbahn zur Krummholzhütte und erstieg den Hauser Kaibling (2106 m), von wo sie einen herrlichen Ausblick genoss. Alles, was gut zu Fuß war, ging den Hausberg, den Hochwurzen (1850 m) an. Für die ganz Unentwegten war dort erst eigentlich der Start zur Höhenwanderung, die zunächst über den kleineren Bruder der Hochwurzen und über das Rossfeld zum Rossbrand (1919 m) führte. Durch den Lattenfußsattel wanderten wir dann zum Guschen (1983 m). Und wieder ging es abwärts durch die Moosscharte und dann aufwärts zum Schneiderkogel, diesmal schon 2005 m hoch. Aber wir wollten noch höher hinaus und schafften dann schließlich über ein Grat hinweg das Hochfeld mit seinen 2189 m. Für unsere Mühe und. Schweiß wurden wir reichlich belohnt. In südwestlicher Richtung zeigten sich in der Ferne, im Sonnenlicht glänzend, die Gletscher des Großglocknermassivs. Der Großglockner selbst, das Wiesbachhorn, Kitzsteinhorn, Sonnenblick und Annkogel. Im Westen das trutzige Hagen- und Tannengebirge, alles überragend der Hochkönig. Im Norden, zum Greifen nahe, das Dachsteinmassiv mit einer Ausdehnung von 52 Kilometern und im Süden und Osten, wie ein zu Stein erstarrtes sturmbewegtes Meer, die Tauern. Diesmal dauerte die Gipfelrast bedeutend länger, denn wir konnten uns nicht satt sehen an all der Schönheit, zumal wir, sie uns im Schweiße unseres Angesichts bei über 40 Grad Hitze erwandert hatten. Schließlich mussten wir aber doch den Heimweg antreten. Über obere und untere Neudeckalm ging es dann zurück ins Quartier, wo wir rechtschaffen müde und doch um ein großes Erlebnis reicher, bei bester Stimmung ankamen.
Samstag, der 13. September, sah uns wieder unterwegs. Das Ziel war das österreichische Skiparadies Tauplizalm. Der Reiseonkel brachte uns über Gröbning und Klachau zur Talstation des größten Sessellifts der Welt. In genussreicher Fahrt ging es im Sessel zunächst über Wiesengelände zur Zwischenstation und von da aus in steiler Auffahrt bis zur Alm. Auf dem letzten Teilstück hatten wir einen herrlichen Blick auf den Hallstätter Gletscher.
Nach einem Fußweg von ¼ Stunde erreichten wir den neuen, erst im letzten Winter in Dienst gestellten Lift zum Lawinenstein, von wo aus wir unseren Dachstein wiederum aus einem anderen Blickwinkel kennen lernten. Außerdem hatten wir einen herrlichen Ausblick auf den Grundlsee. Wohl das Schönste war die Abfahrt über die drei Stationen mit dem Blick auf den wild zerklüfteten Grimming. Reichlich gesättigt mit neuen, wunderbaren Eindrücken, konnten wir wieder einen Tag beschließen.
Sonntag, den 14. September, hielten wir, wie eine Woche zuvor, unseren Gottesdienst im Freien im Anblick der herrlichen Bergwelt. Der Gemeindegesang wurde begleitet von einem Posaunenchorterzett, Trompetensolis und von den Mitgliedern des Kirchenchors gesungene Kanons erklangen zum Lobe unseres großen Gottes. Wie dankbar dürfen wir Ihm sein, dass Er in seiner großen Gnade uns viel Sonne und besonders auch eine so überaus herzliche Gemeinschaft geschenkt hat. Nicht vergessen wollen wir auch unseren treuen Fahrer, Herrn Waldemar Jakob, der sein Fahrzeug sicher über die Straßen führte. Aber auch an unseren verehrten Herrn Dekan wollen wir denken, der keine Mühe gescheut hat und uns auch in diesem Jahre wieder einen so herrlichen Anschauungsunterricht in Gottes Schöpfungsgeschichte erteilte.
(aus: "Kirchenbote für das evangelische Offenbach", Beilage zu "Weg und Wahrheit"; Nummer 21, 19. Oktober 1958)
Die Lutherkirche, die mit Treppen reichlich gesegnet ist, soll mit dem Bau eines Aufzuges einen barrierefreien Zugang bekommen. Um dieses Vorhaben auch Umsetzten zu können ist die Luthergemeinde auf Spenden zur Finanzierung angewiesen.