Jan Dismas Zelenka komponierte höchst originelle und unkonventionelle Orchester- und Vokalwerke. Viele davon erleben erst seit dem Ende des 20. Jahrhunderts eine Renaissance. In seinen geistlichen Werken für den (seit Augusts des Starken politisch motivierter Konversion katholischen) Dresdner Hof, besonders in den großen "Letzten Messen" (Missae Ultimae), verbindet er teils archaische Satztechniken mit den modernsten Ausdrucksmitteln seiner Zeit zu hochexpressiven Schöpfungen. In seinen Instrumentalkompositionen trifft Zelenka wie seine berühmten Nachfolger Bedrich Smetana und Antonín Dvorák den typischen Volkston. Dennoch scheint die manchmal getroffene Spezifikation tschechischer Vivaldi teils überzogen, teils nicht angemessen. Im Werk Zelenkas ergeben sich Parallelen zu österreichischen Komponisten wie Johann Joseph Fux (1660 - 1741) oder sudetendeutschen Musikern wie Heinrich Biber (1644 - 1704) aus dem böhmischen Wartenberg, Andreas Hammerschmidt (1612 - 1675) aus Brüx (heute Most).
Die kammermusikalischen Werke Zelenkas sind in der Instrumentierung unspezifisch, wie auch beim Spätwerk von Johann Sebastian Bach (1685 - 1750), der in seiner Leipziger Zeit ebenfalls für den Dresdner Hof tätig war. Aufgrund der Verwandtschaft zu den Klangvorstellungen Johann Sebastian Bachs wird Zelenka in zunehmendem Maße als dessen Pendant erkannt.
Instrumentalwerke (Auszug): 6 "Triosonaten" für 2 Oboen (bzw. Oboe und Violine), Fagott und Basso continuo.
Mehrere Orchestersuiten für unterschiedliche Besetzungen, bezeichnet mit "Cappricio", "Concerto", "Symphonie" oder "Hippocondria".
Jan Dismas Zelenka galt als schwierige, in sich gekehrte und grüblerische Persönlichkeit, die trotz einer von vielen namhaften Zeitgenossen zugesprochenen außergewöhnlichen Begabung stets ein musikalisches Schattendasein fristen und ihre letzten Lebensjahre schließlich in völliger Einsamkeit und Verbitterung verbringen sollte. Dabei hatte alles recht gut angefangen für den Musikersohn, der vom Vater Jiri - seines Zeichens Kirchenkapellmeister und Organist - erste grundlegende musikalische Kenntnisse vermittelt bekam. Nach einer Ausbildung an einem der drei Prager Jesuitenkollegien stand Zelenka 1709 - also jenem Jahr, aus dem auch die erste erhaltene und bereits meisterliche Komposition "Immisit Dominus" stammt - zunächst im Dienste des Grafen Ludwig Joseph von Hartig zu Prag. Ein Jahr später wurde er als Kontrabassist an die Dresdner Hofkapelle berufen, der er bis zu seinem Lebensende, also dreieinhalb Jahrzehnte lang, in unterschiedlichen Funktionen verpflichtet blieb.
Mit zahlreichen liturgischen Werken avancierte der tiefgläubige Katholik zu einem der produktivsten Komponisten für die Dresdner Hofkirche. Dies ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß er schon bald nach seiner vermutlich 1719 erfolgten Rückkehr nach Dresden - ohne offizielle Benennung und entsprechende Besoldung - die Aufgaben des erkrankten Kapellmeisters Johann David Heinichen übernehmen mußte. Nach dessen Tod im Jahre 1729 trug Zelenka einige Jahre lang - wiederum ohne Vergütung - die Hauptverantwortung für den gesamten, sehr umfassenden Kirchendienst, der neben der eigenen Komposition für den katholischen Hofgottesdienst u.a. auch in der Beschaffung, Bearbeitung und Einstudierung von Fremdvertonungen bestand. Natürlich machte er sich, mittlerweile zum Vizekapellmeister der Kirchenmusik ernannt, große Hoffnungen, daß sich sein unermüdliches Engagement eines Tages auszahlen und er als offizieller Nachfolger Heinichens zum Hofkapellmeister nominiert würde.
Diese Hoffnungen zerschlugen sich jedoch jäh, als 1733 Johann Adolf Hasse, der leuchtende Stern am italienischen Opera-seria-Himmel, zum "Königlich-Polnischen und Kurfüstlich- Sächsischen Kapellmeister" ernannt wurde. Für Zelenka sollte als spärlicher Höhepunkt seiner Hofkarriere 1735 nur der Ehrentitel des "Kirchen-Compositeurs" abfallen. Die unaufhörliche Begeisterung der Dresdner für den populären Opernkomponisten Hasse und die damit einhergehende öffentliche Ignoranz der (kirchen)musikalischen Verdienste Zelenkas ließen den Tschechen in tiefe Enttäuschung und Depression verfallen und führten dazu, daß er seine letzten Lebensjahre in völliger Isolation verbrachte.
Ein Rückblick auf die Kirchenmusik in der Lutherkirche von Wolfgang Weyrich (Kantor und Organist der Luthergemeinde sowie Dekanatskirchenmusiker von 1968 bis 2000) anlässlich des 90jährigen Jubiläum des Lutherkirche im Jahre 2004.