Am 18.8.1912 erfolgte die Grundsteinlegung zur Lutherkirche in der Waldstraße. Nach 1 1/2-jähriger Bauzeit wurde die Lutherkirche dann mit einem Festgottesdienst am 15. März 1914 eingeweiht.

Das architektonische Konzept und die Planung der Lutherkirche stammen von Friedrich Pützer (1871-1922), der in Darmstadt an der Technischen Hochschule ordentlicher Professor für Städtebau und Kirchenbau und zugleich Kirchenbaumeister der Evangelischen Kirche im Großherzogtum Hessen war.
Die Lutherkirche präsentiert sich in ihrem Äußeren kaum als charakteristischer Kirchenbau im üblichen Sinn. So besitzt sie keinen eigenständigen Kirchturm und steht nicht isoliert sondern ist in die umliegende Bebauung der Waldstraße eingebunden. Im Gegensatz zu den reich gegliederten Fronten der damaligen Nachbarhäuser hat die Fasade der Lutherkirche einen nahezu profanen Charakter.
Pützer konzipierte das Gebäude für die Lutherkirche nicht einfach als eine Kirche, sondern als eine "Gruppenanlage". So entstand ein Gemeindezentrum für zwei Gemeinden, das im Obergeschoss den Kirchenraum, im Erdgeschoss einen Gemeindesaal mit Bühne und zwei Konfirmandensäle enthält, sowie weitere kleinerer Räume zur beliebigen Verwendung, die Amtsräume und die Wohnungen für die beiden Pfarrer sowie zwei Küsterwohnungen, alles unter einem Dach.
Beim Betreten des "burgähnlichen" Gebäudes fallen zunächst einmal die Jugendstilornamentik, die warme Farbgebung und die reichliche Verwendung von Holz auf. Pützer bediente sich bei der Gestaltung des Raumes weder demonstrativer Prachtentfaltung noch einer Formenwelt, die sich "allein" aus ihrer Funktion heraus bestimmt. Es gelingt ihm vielmehr, mit sparsamen Mitteln einen atmosphärischen und zweckgebundenen Raum zu schaffen.
Bei der Renovierung der Lutherkirche im Jahre 1957 wurde unter anderem die inzwischen dunkel und unansehlich gewordene Jugendstil-Bemalung durch ein "freundliches Hellgrau" übermalt, "überflüssige" Verzierungen und Dekorationen entfernt sowie der Altarraum neu gestaltet. Mit der Restaurierung der Lutherkirche in den Jahren 1983/1984 wurde bis auf wenige Ausnahmen wieder die Ausgestaltung von 1914 hergestellt.
Die Lutherkirche, die mit Treppen reichlich gesegnet ist, soll mit dem Bau eines Aufzuges einen barrierefreien Zugang bekommen. Um dieses Vorhaben auch Umsetzten zu können ist die Luthergemeinde auf Spenden zur Finanzierung angewiesen.