Mit einer Veranstaltungsreihe zur Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach in der Evangelischen Lutherkirche Offenbach führt die Offenbacher Kantorei durch die Passionszeit im Jahre 2011. In einem Theaterstück und verschiedenen Vorträgen soll eine Auseinandersetzung mit dem Text und der Musik der Johannespassion ermöglicht werden.
Am Karfreitag (22.4.2011) wird schließlich die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach von der Offenbacher Kantorei unter Leitung von Dekanatskirchenmusiker Tobias Koriath zusammen mit Solisten und dem Barockorchester Armonia dell`Arcadia Bamberg aufgeführt.
Die Johannes-Passion zählt zu den eindrucksvollsten Vertonungen der Leidensgeschichte Jesu. Zum ersten Mal erklang sie am 7. April 1724 in der Leipziger Nikolaikirche. Das Werk zeichnet sich durch die vielschichtige Rolle des Chores aus und ist im Vergleich zur Matthäus-Passion dramatischer, lebhafter, auch drastischer. Faszinierend sind auch hier Bachs unvergleichliche Kombination von Bibeltexten, Chorälen und freier Dichtung.
Mit der Veranstaltungsreihe im Vorfeld des Konzertes will die Offenbacher Kantorei die verschiedenen theologischen, musikalischen und geschichtlichen Aspekte der Johannes-Passion herausarbeiten. "In dem Oratorium steckt ja nicht nur Musik, sondern so viel spannender Stoff, den man durch eine einmalige Aufführung gar nicht ausreichend beleuchten kann", erläutert Dekanatskirchenmusiker Tobias Koriath. In guter evangelischer Tradition ginge es bei der Veranstaltungsreihe, so Koriath, um das Erlebbar- und Verstehbarmachen von Musik. "Auch Luther wollte, dass die Bibel nicht nur gehört und gelesen, sondern auch verstanden wird. Man hört das Oratorium anders, wenn man weiß, worum es im Johannesevangelium geht." Die Aufführung der Johannes-Passion am Karfreitag in der Lutherkirche werde, so Koriath, mit dem Wissen über das Werk und dem Nachdenken darüber für die Zuhörer mit Sicherheit zu einem ganz besonderen Erlebnis werden.
Der Eintritt zum Theaterstück "Der Fall Pilatus" kostet 8,- Euro. Für das Konzert am Karfreitag kostet der Eintritt 18,- Euro (Kategorie A), 15,- Euro (Kategorie B), 12,- Euro (Kategorie C). Kombi-Ticket gibt es zum 23,- Euro (Kategorie A), 20,- Euro (Kategorie B), 17,- Euro (Kategorie C). Ermäßigung je 3,- Euro, beim Kombi-Ticket 6,- Euro.
Eintrittskarten im Vorverkauf gibt es im Offenbach InfoCenter (Salzgässchen 1) oder bei theater + konzerte Ringcenter (Odenwaldring 70).
Bei den Vorträgen ist der Eintritt frei.
Walter Jens schrieb in den 70er Jahren drei kleine Theaterstücke über Judas, Petrus und Pilatus, allesamt Plädoyers für die Rehabilitation der so genannten drei Bösewichter in der Heilshandlung.
Jens kämmt die herkömmliche Lesart der biblischen Geschichten wider den Strich, hält dem scheinbar Altbekannten den Spiegel der Gegenwart vor und fordert zum kritischen Umgang mit eingefahrenen Denkmustern auf.
In „Der Fall Pilatus“ resümiert der Delinquent: „Es gab, unter dem finsteren Himmel erdacht, einen Heilsplan, in dem mir die Rolle des Mörders zukommt“.
Mitwirkende: Jan Bareins (Pilatus), Franziska Bareins (Richterin)
Musik: Dekanatskirchenmusiker Tobias Koriath (Orgelimprovisation)
Eintritt: 8,- Euro (Ermäßigung 3,- Euro)
Carmenio Ferrulli schloss sein Studium in Germanistik, Philosophie und Musikwissenschaft als Magister artium in Frankfurt am Main ab. Er ist Stipendiat der Studienstiftung und arbeit an seiner Promotion zur Musik des frühen 16. Jahrhunderts. Seit 2009 studiert er Kirchenmusik in Frankfurt am Main in der Orgelklasse von Martin Lücker.
Seine Werkeinführung beleuchtet Bachs Johannes-Passion unter den Aspekten ihrer komplexen Entstehungsgeschichte, des Wort-Ton-Verhältnisses sowie ihrer ästhetischen und theologischen Ebene.
Referent: Carmenio Ferrulli
Eintritt frei
Im Johannesevangelium fällt auf, dass, im Vergleich zu den anderen Evangelien, die Bezeichnung "die Juden" sehr häufig und pauschal eingesetzt wird. Besonders im Passionsbericht liegt auf der Formulierung "die Juden" ein sehr negativer Akzent.
Ist das Johannesevangelium wirklich eine Schrift mit antijüdisch-polemischem Charakter? Dieser Frage wird nachgegangen und die Auswirkungen dieser Aussagen in der Theologie und Kirchengeschichte aufgezeigt. Das Johannesevangelium bot eine "Steilvorlage" für vieles, was in den folgenden Jahrhunderten an antijudaistischen Verfolgungen und Pogromen folgte. Die Frage stellt sich: Was machte Johann Sebastian Bach mit dieser Vorgabe?
Referentin: Anja Harzke, Pfarrerin für interreligiösen Dialog im Evangelischen Dekanat Offenbach
Musik: Orgelmusik von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Dekanatskirchenmusiker Tobias Koriath
(Orgel)
Eintritt frei
Die Entstehungszeit des Johannesevangeliums ist eine schwere Krise für den jungen Christenglauben. Die Wahrheit, dass Jesus von Nazareth der Sohn Gottes und der Christus ist, steht in Frage: Es gibt Römer, Juden und Samariter, die das ablehnen und bekämpfen. Mit der Erzählung der Passion Jesu soll einer Gemeinde, die sich verteidigen muss, die „Wahrheit“ neu verdeutlicht werden. Kann diese sich durchsetzen?
Darüber wird im Johannesevangelium der Prozess geführt, den Johann Sebastian Bach vertont. Neu gefundene antike Schriften aus Qumran erhellen das Wahrheitsverständnis der Zeit Jesu. Pilatus, Bach und uns stellt sich durch die Zeiten die Frage: Welche Bedeutung hat dieser Wunderheiler, der von den Römern vor knapp 2000 Jahren gekreuzigt wird? Die Johannes-Passion kennt die Antwort.
Referent: Pfarrer Veit Dinkelaker, Theologischer Referent für Religionspädagogik am Bibelhaus Erlebnismuseum Frankfurt
Musik: "Die Choräle der Johannes-Passion", Posaunenchor Offenbach unter Leitung von Doris Neumann & Marcus Neumann
Eintritt frei
Die Johannes-Passion war Bachs erster Beitrag zu der gerade erst gefestigten Leipziger Kultur der Passionsvertonungen. Zum ersten Mal erklang die Johannes-Passion am 7. April 1724 in der Leipziger Nikolaikirche. Das Werk zeichnet sich durch die vielschichtige Rolle des Chores aus und ist im Vergleich zur Matthäus-Passion dramatischer, lebhafter, auch drastischer. Faszinierend auch hier Bachs unvergleichliche Kombination von Bibeltexten, Chorälen und freier Dichtung.
Mitwirkende:
Eintritt: 18,- Euro (Kategorie A), 15,- Euro (Kategorie B), 12,- Euro (Kategorie C) (Ermäßigung je 3,- Euro)