Romantische Chor- und Orgelmusik aus Deutschland und Frankreich

Abschlusskonzert der Offenbacher Orgeltage am 9. Mai 2010

Zum Abschluss der Offenbacher Orgeltage findet am 9. Mai 2010, dem Europatag, um 17.00 Uhr in der Ev. Lutherkirche ein großes Chor- und Orgelkonzert mit der Offenbacher Kantorei statt. Aufgeführt werden die berühmte Messe von Louis Vierne (1870-1937) "Messe solennelle op. 16" sowie die Motette "Gott sei mir gnädig" für achtstimmigen Chor von Albert Becker (1834-1899) und die Motette "Befiehl du deine Wege" von Johann Christian Rinck (1770-1846). Neben den genannten Stücken, werden Orgelwerke der deutschen und französischen Romantik zu hören sein.

Die Steinmeyer-Orgel von 1914 in der Lutherkirche Offenbach eignet sich hervorragend für die Darstellung insbesondere deutscher romantischer Orgelmusik. Gespielt wird sie von Jorin Sandau. Sandau studiert bei Prof. Lücker an der Hochschule für Musik Frankfurt und hat bereits das A-Examen abgelegt. Er gehört zu den vielversprechendsten Nachwuchsorganisten.

Die Leitung hat Dekanatskirchenmusiker Tobias Koriath.

Der Eintritt ist frei!

Der Europatag wird seit 1986 in Erinnerung an den 9. Mai 1950 gefeiert, an dem mit der sogenannten Schuman-Erklärung mit der anschließenden Montanunion der Grundstein für die Europäische Union gelegt wurde.

Hintergrundinformationen zu den Komponisten

Louis Vierne: Messe solennelle op. 16

Louis Vierne wurde am 8. Okt. 1870 in Poitiers geboren und starb am 2. Juni 1937 in Paris. Er gehört zu den wenigen Musikern, die eine Autobiographie veröffentlicht haben ("Mes Souvenirs"); zusammen mit publizierten Teilen des Tagebuchs ("Journal") ergibt sich so ein umfassendes Bild über den beruflichen Werdegang, aber auch ein Einblick in die Pariser Organistenszene des frühen 20. Jahrhunderts. - Vierne wurde fast blind geboren, konnte aber nach einer Augenoperation im achten Lebensjahr eine geringe Sehfähigkeit erlangen. Ein in Paris lebender Onkel, der als Oboist tätig war, entdeckte das musikalische Talent des Jungen. Vierne erhielt seine Ausbildung im Pariser Blindeninternat Institut nationale des jeunes aveugles in den Fächern Klavier, Violine und Orgel (Adolphe Marty). Er war Privatschüler von César Franck und wurde 1890 in die Orgelklasse des Konservatoriums aufgenommen, die nach Francks Tod von Charles-Marie Widor geleitet wurde. Widor schätzte Vierne sehr, er machte ihn 1892 zu seinem Vertreter an St.-Sulpice und 1894 ernannte er ihn zu seinem Lehrassistenten in der Orgelklasse. Dieses Amt behielt Vierne auch nach deren Übernahme durch Alexandre Guilmant 1896. Widor leitete ab diesem Jahr die Kompositionsklasse und gab Vierne privaten Kompositionsunterricht. Im Jahr 1900 wurde Vierne einstimmig zum Titularorganisten von Notre-Dame in Paris gewählt, er behielt dieses prestigeträchtige, aber schlecht bezahlte Amt bis zu seinem Tod, den er während eines Orgelkonzertes in dieser Kirche erlitt.

Obwohl Vierne 37 Jahre lang als Titularorganist an Notre-Dame wirkte, hat er verhältnismäßig wenig originäre Kirchenmusik komponiert. Sein bekanntestes Werk ist die 1900 veröffentlichte große Messe solennelle op. 16.

Albert Becker: Motette "Gott sei mir gnädig" für achtstimmigen Chor op. 83,2

Albert Becker stammte aus Quedlinburg und kam 1853 zum Kompositionsstudium nach Berlin.1889 übernahm er den heutigen Staats- und Domchor Berlin, der sich schon unter Mendelssohn einen hervorragenden Ruf erarbeitet hatte. Becker komponierte während seiner Zeit Motetten für gemischten Chor, die sich am Kompositionsstil Mendelssohns orientieren.

Johann Christian Rinck: Motette "Befiehl du deine Wege" op. 85

Johann Christian Heinrich Rinck wurde am 18. Februar 1770 in Elgersburg (Thüringen) als Sohn einer Lehrerfamilie geboren. Die erste musikalische Ausbildung erhielt er von den Kirchenmusikern der nahe gelegenen Orte. 1786 wurde er Schüler des in Erfurt wirkenden Johann Christian Kittel, der noch bei Johann Sebastian Bach studiert hatte. In der Motette "Befiehl du deine Wege" für Chor und Orgel wird die Choralmelodie des Liedes kunstvoll bearbeitet.