"Der Himmel gehört nicht Fraport"

Evangelische Kirche protestiert mit Bannern gegen Fluglärm

"Der Himmel gehört nicht Fraport". So lautet die Aufschrift auf drei 8 Meter langen Bannern, die Ende Januar an den Türmen der Schlosskirche, der Lutherkirche und der Markuskirche befestigt worden sind. "Wir wollen damit ein weithin sichtbares Zeichen des Protests setzen", sagt Dekanin Eva Reiß. Die Evangelische Kirche in Offenbach sei von Anfang an bei den Protesten gegen die Landebahn Nordwest aktiv gewesen, sagt Reiß. So gehörte sie auch zu den Organisatoren der Menschenkette am 17. September 2011 und beteiligt sich an den Montagsdemonstrationen im Flughafenterminal. Die Treffen des Bündnisses Menschenkette Offenbach finden im Evangelischen Dekanat statt.

Mit dieser Aktion, die es in ähnlicher Weise auch in Flörsheim und in Frankfurt-Sachsenhausen gibt, möchte die Evangelische Kirche in Offenbach ihre Solidarität mit den lärmgeplagten Bürgern zum Ausdruck bringen. "Um die Anzahl der Flüge zu begrenzen, sollte jeder auch sein eigenes Urlaubs- und Konsumverhalten überdenken", sagt Anja Harzke, Pfarrerin für Gesellschaftliche Verantwortung in Offenbach. Ob der Frankfurter Flughafen sich auf Kosten der Bürger immer noch weiter in die Region ausbreiten müsse, dahinter setze die Evangelische Kirche ein großes Fragezeichen. "Wir sind uns einig: das Maß ist voll!"

Ein stiller Moment im Gottesdienst, eine Pause im Konzert, eine ungestörte Beerdigung: all das sei in Offenbach nur noch mit Einschränkungen möglich, beschreibt Pfarrer Ulrich Knödler von der Luthergemeinde die Situation. "Wir beten 'Vater unser im Himmel' und assoziieren mit Himmel die Wohnung Gottes", erläutert Ulrich Knödler. Gott habe die Menschen beauftragt, Himmel und Erde zu bewahren. "Hier wird aber nicht bewahrt, hier wird krankgemacht", betont er im Hinblick auf den Lärm. "Deshalb muss die Wirtschaft begrenzt werden", so die Forderung des Gemeindepfarrers. "Viele Menschen leben auch aufgrund des Lärms nur noch sehr kurz in dieser Stadt", beklagt er. Ein normales Gemeindeleben sei so gar nicht mehr möglich: "Mir kommen in dieser Kirche die Menschen abhanden."

Pfarrerin Ursula Trippel von der Markusgemeinde berichtet über Schlafstörungen, der Schwierigkeit, sich im Freien zu unterhalten und dem eingeschränkten Genuss ihres Gartens. Die Markuskirche sei wie ein Resonanzraum, der die Fluggeräusche aufnehme und das stille Gebet manchmal zu einem Gebet der Geräusche mache.

Die Vertreter der Evangelischen Kirche in Offenbach machen deutlich, dass sie nicht gegen den Frankfurter Flughafen an sich sind. Es gehe darum den Lärm zu mindern, damit das Leben in der Stadt lebenswert bleibt. "Wir möchten weiterhin in Offenbach leben können", formuliert Dekanin Reiß den Wunsch vieler Bürgerinnen und Bürger. "Wer soll denn in Zukunft noch hier leben, wenn alle, die es sich leisten können, wegziehen?" Daher fordert die Dekanin eine Begrenzung von Flugbewegungen pro Tag und Monat, eine Ausweitung des Nachtflugverbotes auf die Zeit von 22.00 Uhr bis 6.00 Uhr sowie eine Änderung des Anflugverfahren der Flugzeuge.