Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau Dr. Volker Jung hat Anfang Dezember 2010 dem Evangelischen Dekanat Offenbach, erstmal seit seinem Amtsantritt im Jahre 2009, einen offiziellen Besuch abgestattet. Er traf auf ein Dekanat im Umbruch. In Zeiten von schrumpfenden Mitgliederzahlen sind die Offenbacher Gemeinden dabei, sich intensiv mit der Neuordnung ihrer Strukturen zu befassen. Es gilt, Perspektiven zu finden, um auch in Zukunft tragfähige Konzepte für die kirchliche Arbeit vor Ort zu schaffen. Seit über einem Jahrzehnt wird im Dekanat Offenbach bereits darüber diskutiert, wie diese Gestalt künftig aussehen könnte. Der Kirchenpräsident sicherte den Gemeinden die Unterstützung der Kirchenleitung bei ihrer schwierigen Aufgabe zu. In Zukunft werde es jedoch verstärkt die Aufgabe des Dekanates sein, sich mit der Zuweisung von Geldern und Pfarrstellen zu befassen, sagte Jung. Um eine Reduzierung von Gebäuden und Personal käme man schon aufgrund demografischer Entwicklungen nicht herum. "Leider können wir uns nicht alles leisten, war wünschenswert wäre", so die Aussage des Kirchenpräsidenten. Trotzdem gehe er davon aus, dass die evangelische Kirche auch gegen den Trend wachsen könne: "Wir wollen den Glauben überzeugend leben und Menschen einladen, sie aber nicht bedrängend missionieren."
In einer Großstadt wie Offenbach müsse sich die Kirche anderen Herausforderungen stellen, als in ländlichen Gegenden, betonte Dekanin Eva Reiß. Das Angebot einer Mittagspause in der zentral gelegenen Stadtkirche gehöre ebenso dazu, wie die Entwicklung der Schlosskirche zur Diakoniekirche mit Familienzentrum. An der Schlosskirche zeige sich buchstäblich, wie sich das Gesicht von Kirche unter den gegebenen Verhältnissen verändern könne: "Im Alltag der Stadt ist die Kirche gemeinsam mit dem Diakonischen Werk Ansprechpartnerin für die sozialen Nöte der Bevölkerung."
Den größten Teil seines Besuchs führte der Kirchenpräsident Gespräche mit den haupt- und ehrenamtlichen Mitgliedern des Dekanats- und Gemeindeverbandsvorstands. Im Verlauf einer Rundfahrt durch Offenbach wurde er über die schwere Belastung der Offenbacher Bevölkerung durch Fluglärm unterrichtet. Die vielen Ausnahmeregelungen beim Nachtflugverbot führten dazu, dass Gesundheit, Lebensfreude und Schaffenskraft der betroffenen Bürgerinnen und Bürger beeinträchtigt würden. In der Lauterborngemeinde machte der Vorsitzende des Kirchenvorstands, Rüdiger Kaiser, deutlich, dass die Kirche im Stadtteil viele übergemeindliche Aufgaben übernehme. Die Hausaufgabenhilfe der Gemeinde sei für 40 Kinder da, davon sei kein Kind evangelisch. In ganz Offenbach liege der Anteil der Evangelischen Christen an der Gesamtbevölkerung nur noch bei 18 Prozent. Trotzdem wolle die Kirche in der Stadt weiterhin ihren gesellschaftlichen Auftrag erfüllen, betonte Volker Jung. "Wir wollen uns auch in Offenbach nicht in fromme Nischen zurückziehen, sondern unseren Teil zum Wohl der Gesellschaft beitragen", so der Kirchenpräsident.
Im Rahmen seines Besuchs im Evangelischen Dekanat Offenbach ist Kirchenpräsident Volker Jung auch mit dem Offenbacher Oberbürgermeister Horst Schneider zusammen getroffen. In ihrem Gespräch betonten beide die guten wechselseitigen Beziehungen zwischen Kommune und Kirche. "Die Kirche ist für diese Stadt unverzichtbar", so Schneider und nannte als Beispiel die evangelischen Kindertagesstätten und Pflegeeinrichtungen. Jung hob die Vorreiterrolle der evangelischen Kirche in Offenbach in Sachen Integration hervor. "In diesem Bereich ist Offenbach führend in der EKHN." Der interreligiöse Dialog könne aus Offenbach wichtige Impulse erhalten.