Sieben ehrenamtliche Helfer des Seniorenbüros Winkelsmühle in Dreieich sind zurzeit an der Heinrich-Heine-Gesamtschule in Dreieich im Einsatz, um 13- bis 15-jährigen Schülern Unterricht im Umgang mit dem ihnen zur Verfügung stehenden Geld zu geben. Das Pilotprojekt "Jugend ohne Schulden" (JoSch) des regionalen Diakonischen Werkes Offenbach-Dreieich-Rodgau klärt die Kinder und Jugendlichen in vier Doppelstunden während des Regelunterrichtes auf über Werbung und Konsumverhalten, Haushalts- und Budgetplanung und insbesondere die Kosten, die im Zusammenhang mit einem Handy entstehen können. Wie aus einem Bericht der hessischen Sozialministerin Silke Lautenschläger hervorgeht, haben heute rund zwölf Prozent der 13- bis 24-Jährigen Schulden, im Schnitt betrügen diese 1.800 Euro. Anliegen des Projektes JoSch ist es, den Kindern und Jugendlichen zu helfen, Schulden von vornherein zu vermeiden. Denn Verschuldung entsteht in den meisten Fällen durch Unkenntnis und Unerfahrenheit mit einem immer komplexer und unübersichtlicher werdenden Finanzdienstleistungsmarkt sowie durch Probleme mit der Haushaltsführung.
Die ehrenamtlichen Helfer werden durch die Schuldner- und Insolvenzberatung des Diakonischen Werkes Offenbach-Dreieich-Rodgau ausgebildet und begleitet. Mitfinanziert wird das Projekt vom Land Hessen und vom Kreis Offenbach. An der Heinrich-Heine-Gesamtschule in Dreieich laufen derzeit fünf Unterrichtseinheiten; Aktivitäten an anderen Schulen sind bereits geplant. Die Schulklassen aus Gymnasium, Real- und Hauptschule gehören den Jahrgangs-stufen 7 und 8 an.
Martin Glaub, Leiter des Diakonischen Werkes Offenbach-Dreieich-Rodgau, weist darauf hin, JoSch sei "nicht nur eines der innovativsten und spannendsten Projekte des Diakonischen Werkes, sondern leider auch bitter nötig." Die Defizite an wirtschaftlicher Bildung der Kinder und Jugendlichen durch eine gelungene Kooperation aus freiwillig Engagierten, Jugendlichen und Schulen lebenspraktisch in den Unterricht zu integrieren, sei ein vielversprechendes Modell. Als generationenübergreifendes Projekt sei JoSch für alle Beteiligten ein Gewinn und eine "Private-Public-Partnership der besonderen Art".
Ulla Hildebrand, Klassenlehrerin an der Heinrich-Heine-Schule, betonte, wie wichtig es für die Schüler sei, die eigenen Konsumbedürfnisse richtig einschätzen zu lernen. "Insbesondere interessiert meine Schüler brennend die Unterrichtseinheit über den Umgang mit dem Handy. Das ist für die 13- bis 15-Jährigen einfach das naheliegendste Thema, hier haben sie auch schon eigene Erfahrungen gemacht." Die Jugendlichen müssten dringend einen Blick dafür entwickeln, was man sich mit einer Geldsumme, die monatlich als Taschengeld oder bald vielleicht als Lehrgeld zur Verfügung stehe, tatsächlich leisten könne.