Nicht nur Frauen, sondern das jeweils unterrepräsentierte Geschlecht fördern

Seit Anfang Februar wachen Maren Cirkel und Andreas Schwöbel über die Gleichstellung zwischen Männern und Frauen in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Mit Andreas Schwöbel ist zum ersten Mal ein Mann mit dieser Aufgabe betraut. Hintergrund ist das neue Gleichstellungsgesetz, das die EKHN-Synode im November 2005 beschlossen hatte. Das Gesetz schreibt die Gleichstellung von Frauen und Männern als "Gemeinschaftsaufgabe und durchgängiges Leitprinzip bei allen Entscheidungen der EKHN" vor.

Lag bisher der Schwerpunkt von Gleichstellungsarbeit auf der Förderung von Frauen, hat das neue Gesetz durchgängig die Beseitigung von Unterrepräsentanz bei beiden Geschlechtern zum Ziel. Dazu gehört, dass es neben den bislang üblichen weiblichen auch männliche Gleichstellungsbeauftragte geben soll.

Das setzt die EKHN nun um, indem sie die bisherige Funktion der Zentralen Gleichstellungsbeauftragten und einige Aufgaben der ehemaligen Arbeitsstelle Frauen in der Kirche (AFK) im Stabsbereich Gleichstellung zusammenführt. Darin bringen mit je einer halben Stelle Cirkel die juristische und Schwöbel die theologische Fachkompetenz ein.

Cirkel und Schwöbel haben die Aufgabe, Aspekte des sogenannten Gender Mainstreaming in kirchliche Prozesse zu implementieren. Das bedeutet, dass bei allen Vorhaben und Entscheidungen die Gleichstellung von Frauen und Männern als durchgängiges Leitprinzip mit berücksichtigt und umgesetzt werden. Die beiden arbeiten mit den regionalen Gleichstellungsbeauftragten zusammen, deren Zahl sich ab 2007 reduziert, da sie nicht mehr, wie bisher, auf der Ebene der 49 Dekanate an sondern in den 14 Verwaltungsregionen angesiedelt sein werden.

Das neu gefasste Gesetz, dessen erste Fassung aus dem Jahr 1997 stammt, betont auch als Ziel der beruflichen Gleichstellungsarbeit, Familie und Beruf besser vereinbar zu gestalten. Nach Möglichkeit sollen Telearbeitsplätze und besondere Arbeitszeitmodelle angeboten werden können.

Zu den Personen:

Maren Cirkel war von Mai 1997 bis Juli 2004 juristische Referentin in der Arbeitsstelle Frauen der EKHN. Dann wurde sie Fachreferentin im Referat Personalrecht. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von 16 und 6 Jahren. Cirkel freut sich auf die neue Konstellation mit einem Mann als Kollegen, denn darin werde deutlich, "dass Fragen der Chancengerechtigkeit zunehmend auch Männerthema sind". Cirkel will dazu beitragen, dass Arbeit für Chancengleichheit als Querschnittsaufgabe in allen kirchlichen Arbeitsfeldern fest verankert wird. Die Kirche müsse "vorbildhaft familiengerechte Strukturen schaffen und nicht die arbeitskompatible Familie voraussetzen".

Andreas Schwöbel war 15 Jahre lang Gemeindepfarrer, von 1990 bis 1996 im oberhessischen Assenheim, anschließend in der Darmstädter Paulusgemeinde. Dort hatte er seit Anfang 2004 nur noch eine halbe Stelle, mit der anderen Hälfte arbeitet er im Darmstädter Kirchenladen "Kirche & Co." Diesen Arbeitsauftrag behält er neben seiner halben Stelle als Gleichstellungsbeauftragter bei. Schwöbel ist 47 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von 17 und 15 Jahren. Für ihn ist Gleichstellung nicht Gleichheit. Ihm geht es darum, die Unterschiede wahrzunehmen im Sinne von Gleich-Stellung. Als Theologe sieht er darin "eine Variante des Buchstabierens vom Evangelium der Liebe Gottes für Mann und Frau und Familie in der Dienstgemeinschaft Kirche". Schwöbel will die Vereinbarkeit von Beruf und Familie als Thema für Männer stärken.