Die Kirchensynode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat am 27. September 2008 Dr. Volker Jung als nächsten Kirchenpräsidenten gewählt. Jung, der derzeit Dekan des Dekanats Vogelsberg und Pfarrer in Lauterbach ist, erhielt im zweiten Wahlgang 80 der 155 gültigen Stimmen. 74 Synodale hatten ihre Stimme dem Wiesbadener Propst Dr. Sigurd Rink gegeben. Ein Synodaler enthielt sich. Der dritte Kandidat Dr. Wolfgang Gern hatte nach dem ersten Wahlgang seine Kandidatur zurückgezogen, weil er mit 37 die geringste Stimmenzahl erhalten hatte.
Der amtierende Kirchenpräsident Prof. Dr. Peter Steinacker äußerte großen Respekt vor allen drei Kandidaten. Erfreulicherweise blieben alle, auch die nicht Gewählten, der EKHN in wichtigen Ämtern in Kirche und Diakonie erhalten. Zu Jung sagte Steinacker: "Ich freue mich, dass Volker Jung mein Nachfolger werden wird. Mit ihm bekommt die EKHN einen besonders qualifizierten Theologen als neuen Kirchenpräsidenten. Er ist ein zugleich seelsorgerlich und strategisch denkender Dekan."
Der gewählte Volker Jung beschrieb in seiner Vorstellungsrede die Kirche als "Bau Gottes". Damit sei das geistliche Fundament gelegt. Auf die vielen Reformüberlegungen anspielend, sagte Jung, in der EKHN gebe es derzeit viele Baustellen. Er wolle darauf achten, "dass nicht an zu vielen Baustellen gleichzeitig gebaut werde". Als seine künftigen Aufgaben beschrieb Jung neben der geistlichen Leitung auch "Vordenken, planen, motivieren, Prozesse organisieren, zusammenhalten, für Klarheit sorgen, auch außen repräsentieren - und das mit anderen zusammen". Seine tiefe Verwurzelung mit der regionalen Gemeindearbeit betonte er zum Schluss seiner Rede mit den Worten. "Ich möchte als Pfarrer Kirchenpräsident werden und als Kirchenpräsident Pfarrer sein."
Der neu gewählte Kirchenpräsident tritt sein Amt am 1. Januar 2009 an. Zu diesem Zeitpunkt geht der derzeitige Kirchenpräsident Steinacker in den Ruhestand. Die Amtszeit beträgt acht Jahre, eine Wiederwahl ist möglich.
Volker Jung wurde 1960 in Schlitz geboren. Nach seiner Schulzeit in Schlitz und Lauterbach begann er 1979 das Studium der Evangelischen Theologie in Bielefeld-Bethel, Heidelberg und Göttingen. 1985 schloss er mit dem ersten Theologischen Examen ab und arbeitete bis 1990 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Göttingen.1991 begann er sein Lehrvikariat in Alsfeld und legte 1993 das Zweite Theologische Examen ab. Dann wirkte er als Pfarrvikar in der Kirchengemeinde Stumpertenrod sowie als Beauftragter für Erwachsenenbildung im Dekanat Alsfeld. 1997 übernahm Jung eine Pfarrstelle in Lauterbach. 1998 promovierte er zum Dr. theol.. Im gleichen Jahr wurde er zusätzlich zum Pfarramt als Dekan des Dekanats Lauterbach gewählt, ab Januar 2000 wurde er Dekan des Dekanats Vogelsberg und blieb zugleich Pfarrer in Lauterbach. In der Region des Dekanates engagiert sich Jung in zahlreichen Bereichen wie der Notfallseelsorge, der Diakoniestation, dem Stiftungsrat des Eichhof-Krankenhauses und der Lauterbacher Tafel. Jung ist Mitbegründer der Initiative "Gesicht zeigen gegen Gewalt" im Vogelsberg. Er ist Autor von Verkündungssendungen im Hessischen Rundfunk. Seit 2004 gehört Jung der Kirchensynode an und ist darin Mitglied im Rechtsausschuss. Außerdem ist er stellvertretender Vorsitzender der Dienstkonferenz der Dekaninnen und Dekane. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter.
Der Kirchenpräsident ist gemäß Paragraph 54 der Kirchenordnung Vorsitzender der Kirchenleitung und des Leitenden Geistlichen Amts. Er ist der Sprecher der Kirchenleitung und hat das Recht, in eigener Verantwortung zu wichtigen Themen in Kirche, Theologie und Gesellschaft Stellung zu nehmen. Er ist an die Beschlüsse der Kirchensynode gebunden und ist ihr gegenüber für die Amtsführung verantwortlich. Er leitet die Theologischen Prüfungen, führt die Aufsicht über das Theologische Seminar in Herborn und führt Personalgespräche mit den Dekaninnen und Dekanen.
Die geistliche Leitung der EKHN teilt sich der Kirchenpräsident mit seiner Stellvertreterin, sowie den sechs Pröpstinnen und Pröpsten. Sie bilden zusammen das "Leitende Geistliche Amt (LGA)". Im Rahmen der Debatte um die Revision der Kirchenordnung der EKHN, gibt es den Vorschlag u.a. die bisherige Amtsbezeichnung Kirchenpräsident/in in Bischöfin oder Bischof zu ändern und das LGA als geteiltes Bischofamt abzuschaffen.