Die vom 22.- 26. November 2011 in Frankfurt tagende Kirchensynode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat die Stellvertreterin des Kirchenpräsidenten Oberkirchenrätin Cordelia Kopsch nicht wieder gewählt. Ihre Amtszeit, die sie im Februar 2005 begonnen hat, endet im Januar 2013. Die 58-Jährige war von der Kirchenleitung für eine weitere Amtszeit von acht Jahren ab dem 1. Februar 2013 zur Wiederwahl vorgeschlagen worden. Von 137 abgegebenen Stimmen erhielt sie lediglich 42 Ja-Stimmen, 77 Synodale stimmten mit Nein, 18 enthielten sich. Für ihre Nachfolge muss die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau nun geeignete Personen suchen.
Kirchenpräsident Dr. Volker Jung bedauerte den Ausgang der Wahl. Er bezeichnete Kopsch als „loyale und verlässliche Stellvertreterin, die mein volles Vertrauen genießt“. Sie sei mit schwierigen Themen befasst gewesen, die auch in der Synode kontrovers diskutiert worden seien. Natürlich habe man die von Kopsch geleistete Arbeit bilanziert und habe sie dann im Einvernehmen mit dem Benennungsausschuß der Synode für eine Wiederwahl vorgeschlagen. Der Präses der Kirchensynode Dr. Ulrich Oelschläger zeigte Verständnis für die persönliche Tragik der Wahl, er wies auch darauf hin, dass der Ausgang der Wahl als synodaler Willen zu akzeptieren sei.
Die im Januar 1953 geborene Kopsch stammt aus Friedberg/Hessen. Ab 1971 studierte sie Evangelische Theologie zunächst in Frankfurt und später in Tübingen. Dort nahm sie als Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes zudem das Studienfach Judaistik dazu. 1975 absolvierte sie ein Sozialpraktikum in einem Heim für körperlich und geistig Schwerstbehinderte in Jerusalem. Nach dem ersten Theologischen Examen im Dezember 1976 ging sie im Rahmen eines Spezialpraktikums in eine Lebensberatungsstelle des Diakonischen Werks in Bad Homburg. Daran schloss sie bis 1977 ein ein-jähriges post-graduate Studium an der Hebräischen Universität in Jerusalem an.
Ihr Vikariat, die zweite praktische Ausbildungsphase zum Pfarramt, begann sie mit einem Spezialpraktikum bei der Telefonseelsorge in Frankfurt. Ihre Gemeindevikariatszeit führte sie in die Darmstädter Südostgemeinde. Nach dem Zweiten Theologischen Examen 1980 wurde sie Pfarrerin in der Melanchthon-Gemeinde in Frankfurt-Fechenheim. Parallel nahm sie an einem Ausbildungskurs als Gemeindeberaterin teil. Von 1986 bis 1996 hatte sie die Pfarrstelle für Friedensarbeit in der EKHN inne. Dann wurde sie Referentin für Mission und Ökumene in der Kirchenverwaltung der EKHN. Zeitweilig war sie auch Vorsitzende des Internationalen Missionsrates des Evangelischen Missionswerkes Südwestdeutschland (EMS), heute Evangelische Mission in Solidarität, mit Sitz in Stuttgart. Im Dezember 2009 wählte die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) Kopsch als ihre Vizepräsidentin. Kopsch ist die Vorsitzende der Kammer für Weltweite Ökumene der Evangelischen Kirche in Deutschland.