Der Präsident des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland (DW EKD), Pfarrer Klaus-Dieter Kottnik, fordert anlässlich der Veröffentlichung des Positionspapiers "Diakonische Positionen zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung" Ende Mai 2007 einen Paradigmenwechsel in Hinblick auf die bisherige Herangehensweise an die Pflegereform. "Das beginnt bereits damit, dass alle Überlegungen in ein Gesamtkonzept der wohnortnahen Versorgung und Begleitung von pflege- und unterstützungsbedürftigen Menschen eingebettet sein müssen." Angesichts der gegenwärtig rasch wachsenden Anzahl pflegebedürftiger Menschen fordert die Diakonie den Ausbau eines flächendeckenden Netzes haushaltsnaher Dienstleistungen, die fachkundige Beratung und Begleitung von Betroffenen und ihrer Angehörigen einschließen. "Quartiersnahe Versorgung" müsse das Konzept der Zukunft heißen. "In diesem Punkt begrüßen wir auch den Vorschlag von Familienministerin von der Leyen zu "Pflegestützpunkten", denn genau dies entspricht dem Wunsch der pflegebedürftigen Menschen und ihrer Angehörigen", so der Diakonie-Präsident.
Kritik übt Kottnik am bestehenden Missverhältnis zwischen den Leistungen der Pflegeversicherungen und der geforderten Qualität. "Gute Pflege und Begleitung alter Menschen beinhaltet unabdingbar ein hohes Maß an menschlicher Zuwendung." Die dafür notwendige Zeit würde in Pflegesätzen offenbar nicht als Kostenfaktor einkalkuliert. Bereits heute sei klar, dass die Qualitätsanforderungen mit den verfügbaren Ressourcen nicht zu erfüllen seien.
"Die Leistungen der Pflegeversicherung sind seit 1995 nicht mehr angehoben worden. Hier besteht angesichts der fehlenden Anpassung an das aktuelle Lohn- und Preisniveau ein dringender Dynamisierungsbedarf". Aus diesen Gründen sowie aufgrund der demographischen Entwicklung seien eine deutliche Anhebung des Beitragssatzes und eine Ergänzung der Finanzierung um weitere Elemente unumgänglich.
Der Präsident der Diakonie will ebenfalls den Aspekt der zu fordernden Qualität stärker in den Mittelpunkt rücken. "Menschen, die Pflegedienste und Einrichtungen nutzen wollen, haben ein berechtigtes Interesse, sich ein Bild von der Qualität der zu erwartenden Pflege machen und Angebote vergleichen zu können." Die Prüfberichte der Medizinischen Dienste der Krankenkassen seien hierfür nicht geeignet. Vielmehr sei es erforderlich, an den Interessen der Nutzer orientierte standardisierte Qualitätsberichte für jede einzelne Einrichtung vorzulegen. "Nur so ist die dringend herzustellende Transparenz zu gewährleisten." Die inhaltliche Ausgestaltung dieser Qualitätsberichte sei eine gemeinsam von Betroffenen, Leistungserbringern, Kostenträgern und den politisch Verantwortlichen zu gestaltende Aufgabe.
Das Diakonische Werk der EKD setzte sich bereits vor der Einführung der sozialen Pflegeversicherung für eine eigenständige Absicherung des Risikos der Pflegebedürftigkeit ein. Nach gut zehn Jahren Erfahrung mit der sozialen Pflegeversicherung und aufgrund von gesellschaftlichen Veränderungen sieht es eine zwingende Reformnotwendigkeit. Handlungsbedarf bestehe bei der qualitativen Ausgestaltung der Pflegeversicherung, bei der inhaltlichen Weiterentwicklung und hinsichtlich ihrer Finanzsituation.
In den vorlegten Positionspapier werden die Positionen der Diakonie zur notwendigen Weiterentwicklung der Pflegeversicherung benannt und erläutert. Das der Wortlaut des Positionspapiers ist unter http://www.diakonie.de/texte zu finden.