Die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) lehnt das Verbrennen von Getreide zur Energiegewinnung weiterhin eindeutig ab. Die Kirchenleitung hat am 15. März 2007 ein Positionspapier beschlossen, das diese Haltung nicht nur mit ethischen, sondern auch mit ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Argumenten begründet.
Eine Verbrennung von Getreide würde "mit einem weiteren Werteverfall in der Bevölkerung gegenüber Lebensmitteln teuer erkauft", heißt es in dem Text. Die verheerende symbolische Wirkung einer solchen Form von Energiegewinnung stünde in keinem Verhältnis zum Ertrag: "Landwirte dürfen nicht durch Dumpingpreise um ihren Lohn gebracht werden." Der umweltverträgliche Anbau gesunder Lebensmittel zum gerechten Preis - nach dem Prinzip "Klasse statt Masse" - sei ein Weg aus dieser Sackgasse.
Die ökologische Bilanz einer energetischen Nutzung von Getreide sei ungünstig, wenn die erforderliche Düngung, Pestizide und der Kohlendioxidausstoß insgesamt berücksichtigt würden. Es wäre außerdem "ein skandalöses Zeichen der Ignoranz der Wohlstandsgesellschaften gegenüber den unter wachsender Armut und Unterernährung leidenden Ländern".
Bereits im Dezember 2005 hatten die drei evangelischen Landeskirchen in Nordrhein-Westfalen in einer gemeinsamen Erklärung festgestellt: "Wir brauchen Brot für die Welt und nicht Brot für den Ofen". Auch die Unterscheidung zwischen Brot-, Abfall- und Energiegetreide könne die fatale Symbolik nicht durchbrechen, die das Verbrennen von Korn in sich trage.
Der Ausbau erneuerbarer Energien sei zwar notwendig und trage dazu bei, Verteilungskonflikte zu entschärfen und somit den Frieden zu sichern. Dennoch gebe es für Bioenergie keinen "ökologischen Freibrief". Die Landeskirche erklärt insgesamt die umwelt- und sozialverträgliche Entwicklung von alternativen Energieträgern zum obersten Ziel. Die Gefahr eines katastrophalen Klimawandels dürfe nicht durch weitere Zerstörungen und große Risiken bekämpft werden.
Der Anbau von Energiepflanzen für den Export zerstöre in einigen Ländern Asiens und Südamerikas zunehmend die Lebensgrundlagen der ländlichen Bevölkerung. Unumgänglich sei deshalb die Anwendung anerkannter Sozial- und Umweltstandards für Bioenergiegewinnung.
In Deutschland dürfe eine Energiegewinnung aus Biomasse nicht die regionale Nahrungsmittelerzeugung verdrängen: "Landwirte dürfen nicht zu reinen Rohstofflieferanten werden." Außerdem müsse sichergestellt sein, dass die Verwendung von Bioenergie nicht auf Kosten des Naturschutzes gehe und nicht zum "Experimentierfeld der Gentechnik" werde.