90 Jahre. Luki kann länger.

Rückblick auf das Jubiläumsgemeindefest

"Luki kann länger", so lautete das Motto des Gemeindefestes, das wir am 10. und 11 Juli 2004 in den Räumen der Lutherkirche feierten. Und wie, möchte man anfügen.

Selten hat es wohl in der Lutherkirche ein so rund um stimmiges und durchgängig gut besuchtes Fest gegeben. Der Auftakt erfolgte musikalisch: mit einem Festkonzert wurden am Samstagabend Michael Haydns Te Deum und Anton Salieris D-Dur-Messe aufgeführt. Kantorei und Kammerchor unter der Leitung von Tobias Koriath gestalteten gemeinsam mit der Jungen Philharmonie Hessen einen sehr intensiven und mit viel Beifall bedachten Konzertabend. Beim anschließenden Sektempfang ist viel darüber gesprochen worden.

Aber damit war der Abend noch nicht zu Ende. Am Beispiel Katharina von Boras durfte man sich dann im Turm eine Lesung "Ungehaltener Reden ungehaltener Frauen" zu Gemüte führen (professionell dargebracht von Schauspielerinnen der Theatergruppe "Die Neurosen"), die vor allem in der Lutherkirche augenzwinkernde Resonanz gefunden hat.

Den Abschluss eines gelungenen Abends bildete eine "Illumination" der Kirchenfront, wie wir sie bereits in ähnlicher Form zur Nacht der Kirchen vor einem Jahr erleben durften.

Der zweite Festtag begann ebenso ungewöhnlich wie schön: der Posaunenchor der Matthäusgemeinde spielte vom Turm der Lutherkirche aus allerlei Choräle und bewirkte bei den unten auf der Waldstraße Weilenden andächtiges Zuhören und Genickstarre. Dazu gesellte sich die Erkenntnis: so müsste es jeden Sonntag sein (zumindest mit der Musik)!

Die musikalische Einladung zum Festgottesdienst wurde vom Einzug des Kirchenvorstands abgerundet, der, dem Anlass entsprechend, in historische Kostüme aus der Gründungszeit der Luki gekleidet war. Nicht wenige der Gottesdienstbesucher machten große Augen. Munter ging es im Gottesdienst zu, denn der Kinderchor zeigte, was er schon alles drauf hatte. Und das war bereits sehr beeindruckend.

Beim anschließenden Sektempfang platzte der Große Saal fast aus allen Nähten. Binnen kurzem waren alle Sitzplätze belegt und wer sich mit seinem Sektglas einen Stehplatz an der Wand sichern konnte, war damit noch gut bedient. Aus der Reihe der Grußworte seien hier drei besonders hervorgehoben. Der Gruß unserer Partnergemeinde aus Suhl, die mit einer kleinen Delegation angereist war, hat uns ebenso gefreut, wie die 99,99 %-Zusage des Verbandsvorsitzenden Herrn Uhl: die neue Kindertagesstätte wird kommen! Da brauchte sich dann auch Oberbürgermeister Grandke nicht mehr zwingend zu diesem Thema äußern. Seine Rede war die mit Abstand längste und pointensicherste. Beeindruckend, wie jemand so sicher und so viel ohne Notizzettel und ohne Roter-Faden-Such-Pausen reden kann – und dabei keine Sekunde langweilt. Besonders gerne haben wir dabei natürlich sein Lob für das "selbstbewusste" Festmotto vernommen und sein Bekenntnis: "Um die Zukunft einer Gemeinde, die sich so präsentiert wie die Lutherkirche, ist mir nicht bange!".

Zum geistlichen und geistigen Wohl gesellte sich schließlich auch das leibliche. Die Auswahl war üppig und die Schlange vor der Ausgabe eindeutig zu lang! Andererseits haben viele das Anstehen "genutzt", um die vielen schönen Fotos auf den eigens dafür im Vorraum aufgestellten Stellwänden zu bewundern. Eine ganze Reihe wunderschöner Detailaufnahmen aus der Lutherkirche hatte Stefan Buch fotografiert und in großformatigen Abzügen fürs diesjährige Fotoquiz zur Verfügung gestellt. Warum nicht eine Dauerausstellung daraus machen?!

Wahre Begeisterungsstürme löste der Auftritt der Kita-Kinder und ihrer Leiterinnen aus. Die Modenschau, die uns die Kinder boten, war vom Feinsten. Epochenechte Kostüme und entsprechende musikalische Untermalung waren die Grundlage für die souveräne Darstellung der jungen Modeltalente auf dem Laufsteg im Saal der Luki. Die Model-Agentur Birtwell hat hier Hervorragendes geleistet! Entsprechend groß und lang anhaltend waren der Applaus und der Jubel der Gäste.

Und da so viel Aufwand und Enthusiasmus Kraft kostete, kam die anschließende Kaffeetafel genau zum richtigen Zeitpunkt. Gestärkt und erholt widmete man sich jetzt einem weiteren Höhepunkt des Festprogramms: Manfred Kroschwitz im Gespräch mit Ehemaligen.

Über eine Stunde lang lauschte eine gespannte Menge den zum Teil sehr bewegenden, aber auch köstlichen Erinnerungen von Dr. Helmut Eckert, Käthe Keil, Pfarrer Michael Schwenn, Hedwig Gendera, Pfarrein Renate Schubert, Pfarrer Dr. Peter Kristen und Manfred Kroschwitz. So verriet uns Pfarrer Schwenn zum Beispiel, was Dick & Doof mit Dekan Eckert zu tun hatten; Helmut Eckert erinnerte sich, wie er mit ausgedehntem Orgelspiel seinen Vater gelegentlich zur Weißglut brachte; Renate Kristen schilderte, wie es ihr einmal gelang, durch pures Glockenläuten einen Engel herbeizurufen, der dann in Form der Küsterin erschien und Pfarrer Kristen wusste einiges über Frau Keils bisher unbekannte Stuntman-Qualitäten zu berichten.

Einen besonderen Auftritt hatte auch "Oma Luki", alias Dagmar Winter, die sich auf neunzig Jahre Lutherkirche einiges pointiert zusammenreimte, das viel Beifall fand.

Gegen Abend löste sich die Festgemeinde langsam auf, so dass die Band "Nobody is perfect" leider nicht mehr vor allen Gästen den letzten Beweis zur Widerlegung ihres Namens liefern konnte.

Es war ein gelungenes Fest. Mehr davon!

Nicole Telschow und Holger Senft