Evangelische Kirche im Krieg

Während des Krieges versichern die offiziellen Kirchenleitungen dem Führer immer wieder ihre "unwandelbare Treue".
Anfang Juni 1941 heißt es z.B.: "Wir versichern Ihnen, mein Führer, in diesen hinreißend bewegten Stunden aufs neue die unwandelbare Treue und Einsatzbereitschaft der gesamten evangelischen Christenheit des Reiches. Sie haben, mein Führer, die bolschewistische Gefahr im eigenen Lande gebannt und rufen nun unser Volk und die Völker Europas zum entscheidenden Waffengange gegen den Todfeind aller Ordnung und aller abendländisch-christlichen Kultur auf. [...] Die Deutsche Evangelische Kirche [...] ist mit allen ihren Gebeten bei Ihnen und bei unseren unvergleichlichen Soldaten, die nun mit so gewaltigen Schlägen daran gehen, den Pestherd zu beseitigen, damit in ganz Europa unter Ihrer Führung eine neue Ordnung erstehe und aller inneren Zersetzung, aller Beschmutzung des Heiligsten, aller Schändung der Gewissensfreiheit ein Ende gemacht werde." [ 28 ]

In den Kreisen der Bekennenden Kirchen Hessens zirkuliert ein anderes Wort aus Schlesien: "Der Umfang, den das Töten im Kriege annimmt, könnte uns leicht stumpf machen gegenüber der Tatsache, dass Gott das Töten untersagt. Das fünfte Gebot gilt immer. Ein christliches Gewissen kann es nicht überhören. Nie wird ein Christ Freude an Blutvergießen haben. Er wird es verabscheuen, Völker in den Krieg zu treiben. [...] Begriffe wie 'Ausmerzen','Liquidieren' und 'unwertes Leben' kennt die göttliche Ordnung nicht. Vernichtung von Menschen, lediglich weil sie Angehörige eines Verbrechers, alt oder geisteskrank sind oder einer anderen Rasse angehören, ist keine Führung des Schwertes, das der Obrigkeit von Gott gegeben ist.
[...] [Des Christen] Nächster ist allemal der, der hilflos ist und seiner besonders bedarf, und zwar ohne Unterschied der Rassen, Völker und Religionen. Denn das Leben aller Menschen gehört Gott allein. Es ist ihm heilig, auch das Leben des Volkes Israel. [...]
Unsere Verantwortung vor Gott in all diesen Entscheidungen können wir uns in keinem Falle von anderen abnehmen lassen. [...] Wo wir [...] deutlich erkennen, dass Unrechtes von uns verlangt wird, haben wir in eigener Verantwortung [...] Gott mehr als den Menschen zu gehorchen [...]. Wir können uns nicht von den Vorgesetzten die Verantwortung [...] abnehmen lassen. Gott wird die von uns fordern, die wir zu Unrecht töteten, und furchtbar ist die Drohung, die gegen den Mörder ausgesprochen wird [...][ 29 ]"

Quellen:

[ 28 ] Schreiben des GVR der DEK an der Führer v. 04.06.1940.

[ 29 ] Wort der 12. Bekenntnissynode der Evangelischen Kirche der Altpreußischenunion vom 16.-17.10.1943.